Andreas Krebs erneut im Hungerstreik

Mit Nahrungsverweigerung protestiert Andreas Krebs gegen Haftverschärfungen
Kontaktverbote, verweigerte Post, Hafterleichterungen gestrichen: Die JVA Tegel setzt beim Gefangenen Andreas Krebs die Daumenschrauben an.
Hungerstreik gegen Repression: Seit dem 26. Januar verweigert Andreas Krebs jegliche Nahrung. Er sitzt in der JVA Tegel eine mehrjährige Haftstrafe ab. Bereits 2023 verweigerte Krebs im Rahmen eines Hungerstreiks die Nahrung.

Krebs protestiert mit dem Hungerstreik gegen seine Haftbedingungen. Nach Angaben der Gefängnisleitung wurden in seiner Zelle Drogen gefunden – obwohl Krebs sich immer gegen Drogen in der Haftanstalt gewandt und damit auch den Ärger anderer Häftlinge auf sich gezogen hatte. Krebs wurde in eine andere Zelle verlegt, Zeitungen und Post erhält er nicht mehr. »Alle Vollzuglockerung, die sich Andreas Krebs in den letzten Jahren durch diverse Hungerstreiks erkämpft hat, sind gestrichen worden«, sagt Wolfgang Lettow von der Publikation »Gefangeneninfo« zu »nd«. Er hat Krebs mehrmals besucht und ihn auch für eine Sendung beim Freien Radio Flora in Hannover mehrmals interviewt. Doch auch dieser Kontakt ist unterbrochen. »Andreas Krebs kann mich nicht mehr anrufen. Meine Nummer ist durch die Gefängnisleitung gesperrt«, sagt Lettow.
Lettow macht sich Sorgen um den Gesundheitszustand von Krebs. »Er hat diverse Vorerkrankungen und hatte im Herbst 2024 einen Schlaganfall. Dadurch kann ein Hungerstreik schnell lebensbedrohlich werden«, sagt Lettow.

In einer Erklärung verlangt Krebs die Rückverlegung in seine alte Zelle und die Wiederherstellung der Haftbedingungen. Bis zur Strafverlegung hatte er ein Fernstudium absolviert, das er jetzt nicht mehr weiterführen kann. Auch die Möglichkeit einer vorzeitigen Entlassung nach Verbüßen von zwei Dritteln der Haftzeit wurde für ihn gestrichen. Das würde bedeuten, dass Krebs auf absehbare Zeit keine Perspektive auf Freilassung hätte. Italienische Gerichte verurteilten ihn wegen Mordes zu 24 Jahren Haft, seit 2023 sitzt er die Strafe in Deutschland ab.
Während seiner Haftzeit hat Krebs sich immer wieder zu politischen Themen per Brief oder Radiointerview geäußert und auch mehrmals an Solidaritätsstreiks mit anderen Gefangenen beteiligt. »Er hat sich auch im Gefängnis nicht am System ›Nach unten treten und nach oben buckeln‹ beteiligt«, sagte eine Unterstützerin zu »nd«. Der libertäre Verlag Immergrün hat 2024 unter dem Titel »Der Taifun – Erinnerungen eines Rebellen« seine Autobiografie herausgegeben.

Mittlerweile ist die Solidarität für Krebs angelaufen. So erinnert das bundesweite »Netzwerktreffen Solidarität mit Daniela« daran, dass sich Krebs in den vergangenen Jahren immer wieder mit anderen Gefangenen solidarisierte. Für viele Solidaritätsdemonstrationen hat er Grußworte verfasst. »Wir haben viele seiner Solidaritätsbotschaften auf Veranstaltungen, Demos und Knastkundgebungen gerne verbreitet. Sie waren und sind uns sehr wichtig gewesen. Jetzt ist Solidarität mit Andreas Krebs angesagt«, heißt es in der Erklärung des Netzwerks, das regelmäßige Prozessbeobachtungen im Verfahren der wegen RAF-Mitgliedschaft angeklagten Daniela Klette organisiert. Das Netzwerk hat in den vergangenen zwei Jahren mehrere Kundgebungen vor der JVA Vechta in Niedersachsen organisiert, in dem Klette inhaftiert ist. Dazu hat Krebs mehrmals Grußadressen geschickt.

Peter Nowak -nd 12.2.26

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