Deutsche Aktivistin in türkischer Haft gefoltert und vergewaltigt

Im Zuge einer Delegation im Januar nach Nordkurdistan (Kurdische Gebiete im Osten der Türkei, Bakur) berichten mehrere deutsche Aktivistinnen von schweren Misshandlungen durch türkische Behörden. Eine Aktivistin berichtet zudem von einer Vergewaltigung während ihrer Inhaftierung in Abschiebehaft im internationalen Flughafen in Istanbul (IGA Istanbul Airport). Für die kommenden Tage rufen Aktivist:innen zu Solidaritätsaktionen in zahlreichen Städten unter dem Motto „Eure Gewalt bricht uns nicht – unsere Körper, unser Kampf“ auf.

Die Aktivist:innen der Delegation für Menschenrechte nach Nordkurdistan erheben schwere Vorwürfe gegen die türkischen Behörden. Die Delegation besuchte an mehreren Tagen demokratische Initiative, Vereine und Parteien in Diyarbakır (Amed kurd.), Nusaybin (Nisêbîn kurd. ), Mardin (Mêrdîn kurd.). Am 5. Tag der Delegationsreise, die auf die Einladung der DEM-Partei stattgefunden hat, wurde die Delegation auf dem Weg zu einer Pressekonferenz in Mêrdîn (tr. Mardin) von der türkischen Militärpolizei und der Abschiebebehörde angehalten und festgenommen. Sie wurden von der Polizeiwache in Mardin (Mêrdîn kurd.) in das Abschiebezentrum im internationalen Flughafen Istanbul gebracht.

Sie berichten von körperlicher, psychischer und sexualisierter Gewalt während ihrer Inhaftierung: „Wir durften weder die Augen schließen, noch schlafen oder uns anlehnen oder sitzen. Sie traten und schlugen auf uns ein, teilweise bis zur Bewusstlosigkeit. Wir wurden beleidigt und bespuckt, geflochtene Haare wurden im Schritt der Polizisten gerieben oder ausgerissen. Wir wurden gezwungen, Videos von misshandelten Kämpfer:innen anzuschauen. Auch unsere eigenen Videos der letzten Tage wurden gezeigt und es wurde gesagt, die Personen darin würde nie wieder aus der türkischen Haft herauskommen“, berichtet Paula Maier, eine Teilnehmerin der Delegation. „In der Zeit auf der Einzelzelle wurde ich von einem türkischen Beamten vergewaltigt“, ergänzt Maier in ihrem Bericht über die erlebte Folter und sexualisierte Gewalt.

Die Delegation reiste mit insgesamt 16 Personen, darunter 13 Frauen, nach Bakur. Hintergrund der Reise waren die Entwicklungen in Nord- und Ostsyrien und insbesondere die Angriffe auf die dortigen kurdischen Gebiete. Im Januar 2026 griffen HTS-geführte Kräfte und die syrische Übergangsregierung unter Ahmed al-Scharaa (al-Dscholani) die kurdischen Stadtteile in Aleppo an. Einige mehrheitlich arabische Städte wurden seitdem unter die Kontrolle des syrischen Regimes gebracht, andere Gebiete wurden wochenlang militärisch belagert und angegriffen.

Aktivist:innen der Organisation Föderation Klassenkämpferischer Organisationen (FKO) sehen in diesem Vorgehen einen Angriff auf die demokratischen und frauenpolitischen Errungenschaften der Region: „Was im Januar in Rojava passiert ist, war der Versuch, die Errungenschaften der Revolution zu zerstören und die kurdische Befreiungsbewegung zu vernichten. Es ging um nichts weniger als um die Existenz und das Überleben dieses revolutionären Projekts“, erklärt Paula Maier.

Paula Maier ist Mitglied der Föderation Klassenkämpferischer Organisationen. Diese ruft nun unter dem Motto „Eure Gewalt bricht uns nicht – unsere Körper, unser Kampf!“ zu Solidarität auf. Ziel sei es, auf die politische Situation in der Türkei und die zahlreichen Erfahrungsberichte von Aktivist:innen über sexualisierte Gewalt und Misshandlungen aufmerksam zu machen. Die Föderation Klassenkämpferischer Organisationen äußert: „Wir verurteilen die Angriffe auf Aktivistinnen durch den türkischen Staat und international. In den vergangenen Monaten erreichten uns immer wieder Berichte von Aktivistinnen, die in türkischer Haft Gewalt oder Folter erlebt haben. Auch Aktivistinnen, die sich mit der Global Sumud Flottilla auf den Weg nach Palästina gemacht haben berichteten von systematischer Folter und Vergewaltigung durch das israelische Militär. Diese Gewalt und Angriffe auf widerständige Frauen sind keine Einzelfälle, sie wird genutzt, um Widerstand zu brechen. Die Solidarität soll verhindert werden und die Menschenrechtsverletzungen der Staaten sollen nicht an die internationale Öffentlichkeit gelangen.“

Paula Maier betont: „Ich teile diese Erfahrung mit vielen weiteren Frauen. Es ist nicht nur meine Geschichte, es ist die Geschichte vieler Frauen und vor allem ist der Kampf gegen sexualisierte Gewalt eine Geschichte, die uns als Frauen alle vereint. Es liegt an uns allen, diese Erfahrungen in eine Geschichte des Widerstandes zu entwickeln.“

Auf dieser Seite finden Sie ein Video, in dem Paula selber von ihren Erfahrungen berichtet: