Dollar-Fälschung für Nordkorea? Keine Auslieferung von Sean Garland

Dollar-Fälschung für Nordkorea? Keine Auslieferung von Sean Garland

Sean Garland, ein republikanischer Veteran, der seit knapp 60 Jahren in Irland politisch aktiv ist, darf nicht an die USA ausgeliefert werden, entschied ein irisches Gericht vergangene Woche.
Garland ist der ehemalige Führer der Official IRA, dem vorgeworfen wird, Ende der 1990er Jahre 100-Dollar-Scheine für die nordkoreanische Regierung gefälscht zu haben. Garland, der Krebs und Diabetes hat, weist alle Vorwürfe zurück. Seine Unterstützerinnen und Unterstützer, darunter mehrere gewählte Abgeordnete, erklärten, Garland sei Opfer eine Schmutzkampagne der englischen Regierung gegen das kommunistische Nordkorea.
Der Richter John Edwards erklärte, er werde die Gründe für seine Entscheidung, die Nichtauslieferung Garlands, bis 13. Jänner veröffentlichen. Ein Sprecher von Garland, der bei Gericht von seiner Frau unterstützt wurde, betonte, der Republikaner sei sehr erleichtert.

Politischer Aktivismus

Garland ist sein Leben lang ein politischer Aktivist. Zu Neujahr 1957 nahm er im Alter von 22 Jahren an einer fehlgeschlagenen IRA-Operation teil, bei der seine jungen Genossen Sean South und Fergal O’Hanlon tödlich verwundet wurden.
Nach dem Ende der sog. Operation Harvest, einer IRA-Kampagne gegen pro-britische Einrichtungen in den besetzten sechs Grafschaften Nord-Irlands in den Jahren 1956-1962, versuchte Garland, gemeinsam mit Tomás MacGiolla und Cathal Goulding, die Republikanische Bewegung unter Aufgabe zahlreicher, essentieller Prinzipien der Bewegung, in eine breite Nationale Befreiungsfront mit nicht-republikanischen Gruppen zu manövrieren. Die Bewegung spaltete sich daher 1969/70 und Garlands Official Republican Movement gab bald den bewaffneten Kampf gegen die britische Besatzung auf und überführte die Organisation in die Workers‘ Party. Die Parlamentsfraktion der Partei spaltete sich nach dem Ende der Sowjetunion ab und formierte die Democratic Left, die sich nach wenigen Jahren mit der irischen Labour Party zusammen schloss.

Verhaftung

Am 19. Mai 2005 stellte das US-Höchstgericht einen Auslieferungsantrag gegen Garland, der er Teil einer internationalen Fälscherbande gewesen sein soll. Diese soll im Auftrag der Regierung in Nordkorea 100-Dollarscheine gefälscht haben. Der Haftbefehl gegen Garland basierte lediglich auf Geheimdienstinformationen verschiedener US-Nachrichtendienste. Der US-Geheimdienst wartete dann, bis Garland im Oktober 2005 Belfast besuchte und forderte dann von der englischen Regierung die Auslieferung Garlands.
Ihm wurde erlaubt, in die südlichen 26 Grafschaften Irlands zurückzukehren, um sich medizinischen Tests zu unterziehen. Dabei wurde bei ihm Darmkrebs diagnostiziert. Nach der Hinterlegung von 27.000 Pfund Sterling konnte er auf Bewährung in seinem Haus im Co. Navan bleiben.
In den letzten Tagen der Bush-Regierung stellte die US-Staatsekretärin Condoleezza Rice noch einen weiteren Auslieferungsantrag und am 30. Jänner 2009 wurde Garland schließlich vor dem Büro der Workers‘ Party in Dublin von der Polizei festgenommen.
Nachdem sich das Urteil lediglich gegen eine Auslieferung aus dem Süden Irlands in die USA aussprach, gehen die Aktivistinnen und Aktivisten der Kampagne nun davon aus, das die USA verstärkt versuchen werden, eine Auslieferung Garlands bei einer Ausreise aus Irland zu erzwingen.
Der Vorsitzender der Kampagne „Nein zur Auslieferung von Sean Garland“, Rev. Chris Hudson erklärte in einer ersten Stellungnahme: „Die letzten sechs Jahre waren für Sean, seine Familie und Freunde ein Albtraum und ich bin sehr froh über den Fortschritt, den wir heute errungen haben. Ich war immer davon überzeugt, dass der Auslieferungsantrag nur ein Versuch der Bush-Regierung war, Nordkorea und jeden, der mit dem Land in Kontakt steht, zu isolieren und kriminalisieren.“
Rev Hudson bedankte sich bei den tausenden Menschen, die sich in den letzten Jahren für Garland einsetzten, darunter auch über 120 Parlamentarierinnen und Parlamentarier aus Irland, Westminster, dem englischen House of Lords und dem Eurpäischen Parlament.
„Doch nun müssen wir unsere Kraftanstrengungen nochmals verdoppeln, damit der Auslieferungsantrag gänzlich fallen gelassen wird. Sean Garland und seine Familie haben das Recht frei und ohne Angst vor Verhaftung und Deportation zu reisen“, so Hudson weiter.
Unter den prominenten Unterstützerinnen, Unterstützern und Organisationen, die die Kampagne gegen die Auslieferung Sean Garlands unterstützten waren auch gewählte Vertreterinnen und Vertreter von Provisional Sinn Féin, der Labour Party, der Workers‘ Party, des irischen Gewerkschaftsdachverbandes, sowie Mitglieder mehrerer Einzelgewerkschaften und Lokalpolitiker.

Irish Republican Correspondent, 27. Dezember 2011

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