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Erklärung der AFA zur Unterbrechung des Hungerstreiks von Evin Timtik:

AN DIE PRESSE UND ÖFFENTLICHKEIT,
DIES IST EINE BEKANNTMACHUNG UNSERERSEITS BEZÜGLICH EVIN TIMTIK, DIE IHREN UNBEFRISTETEN HUNGERSTREIK UNTERBRECHEN WIRD.

UNSER WIDERSTAND WIRD SIEGEN!

Evin Timtik wird ab heute ihren unbefristeten Hungerstreik, den sie startete, damit die Repression gegenüber der Anatolischen Föderation gestoppt wird und sie ihre bereits gewonnen Rechte wieder bekommt, unterbrechen.

Aufgrund der systematischen Angriffe und Repression der türkischen Regierung hat Evin Timtik in Österreich um Asyl angesucht. Infolge eines positiven Asylbescheids bekam sie einen Konventionsreisepass. 2015 beantragte sie die Verlängerung ihres Passes und wurde mit Ungerechtigkeit konfrontiert, welche durch die Zusammenarbeit zwischen der Türkei, Deutschland und Österreich entstanden ist.

Evin Timtik wurde durch den willkürlichen Entzug ihres Reisepasses ihre Reisefreiheit beraubt, unter dem Vorwand, dass Evin Timtik „eine Gefahr für die Sicherheit der Republik Österreich darstelle“.
Der Grund für diese Aussage war angeblich, dass das faschistische Regime der Türkei Evin Timtik als Selbstmordattentäterin darstellte.
Doch der eigentliche Grund sind die geheimen Vereinbarungen zwischen der Türkei und Europa, die als Folge haben, dass die Meinung fortschrittlich-demokratischer Menschen durch Repressionen eingeschränkt wird, sodass sie von MigrantInnen und dem europäischen Volk isoliert werden.

Evin Timtik’s Fall war lediglich eine erneute Rechtswidrigkeit gegenüber fortschrittlich-demokratischen Vereinen in Europa, die durch die Zusammenarbeit der deutsch-türkisch-österreichischen Behörden entstanden war.

Denn dieser Prozess begann bereits wesentlich vorher…
Der Bundesverfassungsschutz stürmte schon 2013 das Sommerkamp der Anatolischen Föderation mit Helikoptern, 2014 wurde versucht, sämtliche Stand-Aktivitäten einzuschränken, 2015 versuchte man das Grup Yorum Konzert zu verhindern, indem unrechtliche und inoffizielle Wege eingeschlagen wurden. Diese Phase weitete sich mit den Angriffen auf Evin aus.

Deshalb begann Evin Timtik vor 127 Tagen eine Mahnwache vor dem Bundesamt für Fremdwesen und Asyl (BFA). Jedoch wurde erneuter Druck ausgeübt und die politische Angriffe verschärft. Am 13. Oktober wurden die Häuser der Vorstandsmitglieder der Anatolischen Föderation gestürmt und verwüstet. Die Kinder wurden von maskierten und bewaffneten Poliziste mit Hunden aus dem Schlaf gerissen. Als Grund wurde „Gutheißung von terroristischen Aktionen“ angeführt, der durch demokratische Rechte und Freiheiten – wie den Verkauf einer in der Türkei legalen Zeitschrift, die Organisation von Grup Yorum Konzerten und die Teilnahme am 1. Mai begründet wurde. Der österreichische Bundesverfassungsschutz und
die österreichische Polizei strebte danach, Kollaborateure zu finden, die ihre absurden Behauptungen untermauern konnten.
Diese Phase hat aufgezeigt, wie umfangreich die Angriffe eigentlich waren.
Deshalb weitete Evin Timtik am 20. Oktober 2015 ihre Mahnwache, den sie vom BFA zum österreichischen Parlament verlagert hatte, in einen unbefristeten Hungerstreik aus.

Wir haben in den folgenden 67 Tagen, in dem sich unser Vorstandsmitglied Evin Timtik im unbefristeten Hungerstreik befand, versucht, den Menschen in Österreich und Europa näherzubringen, welchem politischen Druck und welchen offenen Angriffen wir ausgesetzt waren. Wir startetet eine Unterschriftenaktion, sammelten tausende von Unterschriften und teilten unzählige Flyer aus. Auf bürokratischer Ebene haben wir mit Abgeordneten verschiedenster Parteien und vielen demokratischen Organisationen kommuniziert.

Durch Evin Timtik konnten wir über die Repressionen gegenüber die Anatolischen Föderation und den Entzug unserer Rechte und Freiheiten berichten und wurden auf verschiedensten Ebenen unterstützt. Wir waren uns einig, miteinander zu kämpfen, denn im Falle einer Nicht-Ausstellung des Passes würde der bereits vorhandene Druck auf MigrantInnen und
Asylsuchenden steigen und die Jahrzehnte lang hart erkämpften Rechte würden uns entzogen werden.

Auf parlamentarischer Ebene haben uns die Abgeordneten versprochen, dass sie das fortlaufende Gerichtsverfahren bezüglich der Ausstellung des Passes von Evin Timtik und die durch die Zusammenarbeit der Türkei entstandenen und durch den Bundesverfassungsschutz ausgeübten politischen Angriffe aufmerksam weiter verfolgen werden.
Während der andauernden Hungerstreik-Phase gaben verschiedenste demokratische Organisationen, die Evin unterstützten, an, dass sie gemeinsam mit uns Widerstand leisten und an Protesten und anderen Aktionen teilnehmen werden, bis Evin ihr Pass zurückgegeben wird und die Repressionen gegenüber die Anatolische Föderation gestoppt werden.

Diese Versprechungen und Aussagen sind der Erfolg des unbefristeten
Hungerstreik-Widerstandes. Evin Timtik hat durch ihren Hungerstreik die vorhandenen politischen Repressionen gegen MigrantInnen und ihre Organisationen aufgedeckt und veranlasst, dass sich fortschrittlich-demokratische Menschen vereinen und gemeinsam für ihre Rechte kämpfen.

Deshalb hat sie nun veröffentlicht, dass sie ihren unbefristeten Hungerstreik-Widerstand unterbrechen wird. Sie hat ebenfalls angegeben, dass sie diese Pause beenden wird, wenn die Angriffe auf Rechte und Freiheiten nicht gestoppt werden.

Wir, die Anatolische Föderation, werden das juristische Verfahren bis zur Ausstellung des Passes unseres Vorstandsmitgliedes Evin Timtik verfolgen.

Wir werden weiterhin Widerstand gegen die auf uns lastenden Repressionen leisten.
Im Falle dessen, dass die Angriffe auf uns und unsere Vorstandsmitglieder fortlaufen, werden wir stärkere Maßnahmen ergreifen.

Denn Widerstand zu leisten ist ein allgemeines Recht und wir werden dieses Recht bis zum Schluss nutzen.

Wenn das Gerichtsverfahren mit irrationalen Anschuldigungen nicht eingestellt wird und die Angriffe in Zusammenarbeit mit der Türkei kein Ende nehmen, werden wir mit Sicherheit einen noch größeren Widerstand leisten.
Unser Dank gehört allen Freunden und Genossen, die während dieser langen Phase ständig an unserer Seite standen, unseren Widerstand unterstützt und an unseren Protestaktionen teilgenommen haben;
allen fortschrittlich-demokratischen Vereinen, die Evin in ihrem Kampf unterstützt haben;
allen Genossen, Freunden und Jugendlichen, die in verschiedensten Ländern Proteste,
Hungerstreik-Widerstände als Unterstützung für Evin Timtik organisiert haben und laut ausriefen, dass sie “Evin nicht sterben lassen werden“;
natürlich auch allen, die unzählige Male in unserem Land vor der österreichischen Botschaft festgenommen wurden und der faschistischen Folter ausgesetzt waren.

* Schluss mit der Zusammenarbeit zwischen Deutschland, Türkei und
Österreich!
* Evin Timtik muss sofort ihren Reisepass und ihre Reisefreiheit
zurückerlangen!
* Widerstand leisten ist ein Recht, der Kampf gegen Repression ist Pflicht!
* Keine Angriffe auf die Freiheit der Meinung und Organisierung!