Gigantische Show für Reiche Kolumne für Mumia Abu-Jamal

Gigantische Show für Reiche Kolumne für Mumia Abu-Jamal

Am vergangenen Mittwoch konnte sich jW-Kolumnist Mumia Abu-Jamal nach längerer Pause wieder einmal direkt an ein größeres Publikum wenden. Als Amy Goodman und Juan González vom US-Nachrichtenprogramm Democracy Now! direkt vom Parteitag der Demokraten aus Philadelphia berichteten, war ihnen Abu-Jamal für 15 Minuten per Telefon direkt aus dem Staatsgefängnis SCI Mahanoy in Pennsylvania zugeschaltet.

González stellte den Kollegen vor und erklärte, sie beide seien »in den 1970er Jahren als Journalisten in Philadelphia tätig gewesen«. Inzwischen sei Abu-Jamal »der möglicherweise bekannteste politische Gefangene der Vereinigten Staaten«. Nach seiner Meinung zum Parteitag in seiner Heimatstadt befragt, nannte Abu-Jamal diesen »eine gigantische Show«.

Aber sei die Veranstaltung nicht mehr als das, da Tausende vor der Halle demonstrierten, wandte Goodman ein. Das sei »außerordentlich«, stimmte Abu-Jamal zu, da passiere, »was wirklich wichtig ist«. Weil sich auf der Straße die Stimmen zu Wort meldeten, »die man sonst während der viertägigen Gala, dem Spektakel, den Lügen und Illusionen nicht zu hören« bekommen hätte. So aber erfahre man »vom Leid der Leute, dem, was sie wirklich umtreibt, ihren verzweifelten Versuchen, sich gegenüber den Reichen und Mächtigen Gehör zu verschaffen«.

Ob Trump, der sich in der Vorwoche auf dem Republikaner-Parteitag als »Kandidat von Recht und Ordnung« aufgebaut hatte, ihn nicht an Frank Rizzo, Philadelphias »Recht- und-Ordnung-Bürgermeister« der 1970er Jahre, erinnere, wollte González wissen. Trump habe ihn sofort an Rizzo erinnert, sagte Abu-Jamal, obwohl letzterer »aus der Arbeiterklasse stammte, sich im Police Department von ganz unten bis zum Chefposten hocharbeitete und dann zum Bürgermeister gewählt wurde«. Zuerst habe er über diese beiden Politiker genauso gelacht wie über den Präsidentschaftskandidaten Ronald Reagan, einen zweitklassigen Schauspieler. Aber dann sei ihm sehr schnell das Lachen wieder vergangen, weil alle drei die gleiche Botschaft verbreiteten: »Angst. Angst vor Fremden, Angst vor Schwarzen.« Und jeder der drei habe zu seiner Zeit den Leuten weisgemacht: »Ich allein kann euch retten!«

Die Kandidatin der Demokraten sei aber nicht besser, deshalb empfehle er den Zuschauern von Democracy Now! die Lektüre des Artikels »Why Hillary Clinton Doesn’t Deserve the Black Vote« (dt. »Warum H.C. die schwarzen Stimmen nicht verdient«) von Michelle Alexander, den The Nation am 10. Februar 2016 veröffentlich hatte.

Zu Abu-Jamals Erfahrung von drei Jahrzehnten im Todestrakt sagte Amy Goodman, auch wenn es eine Gerichtsentscheidung gewesen sei, die sein Todesurteil in lebenslange Haft umwandelte, sei es letztlich der »enorme Druck« der internationalen Solidaritätsbewegung gewesen, der ihn »vor dem Henker bewahre«.

Wie stehe es denn nun um seine Gesundheit? Abu-Jamal antwortete, er selbst habe eine ganze Weile nicht gewusst, was mit ihm los sei. »Ich hatte Diabetes, extrem hohen Blutdruck, meine Haut löste sich auf.« Erst durch Eingaben seiner Anwälte sei herausgekommen, dass er an Hepatitis C leidet, »die bis heute nicht behandelt wird«. Man habe lediglich an den Symptomen herumgedoktert. Zur laufenden Sammelklage von ihm und anderen Häftlingen auf Behandlung der Hepatitis C habe der Staat gerade erst wieder dem Gericht mitgeteilt, wenn die Kläger Recht bekämen, würde das »die Gerichtsbehörde über 600 Millionen US- Dollar kosten«. In Pennsylvania sind mehr als 6.000 Gefangene an Hepatitis C erkrankt. Von denen würden nach Auskunft von Peter Noel, dem Medizinaldirektor der Gefängnisbehörde, »nur fünf oder sechs« mit dem neuen Antiviren-Medikament behandelt. Der Grund, so Abu-Jamal, sei ein internes »Geheimprotokoll«, wonach nur die auf die Behandlungsliste gesetzt werden, » die bereits aus dem Mund bluten, weil die Leber nicht mehr arbeitet«.

Bevor Abu-Jamals Leitung aus dem Gefängnistrakt nach Ablauf der 15 Minuten automatisch unterbrochen wurde, wollte Goodman noch von dem Bürgerrechtler wissen, ob auch für ihn im 21. Jahrhundert die gesellschaftliche Auseinandersetzung entlang der »Trennungsline der Hautfarbe« verlaufe? Abu-Jamal bejahte das zwar, fügte jedoch hinzu, es gehe auch um die Trennungslinie entlang der Klassenfrage. »Denn wir haben gerade die Erfahrung mit einem schwarzen Präsidenten gemacht, und trotzdem, mit den Worten des Rappers Young Jeezy, lebt die Mehrheit der Afroamerikaner immer noch in der Hölle.«

Von Jürgen Heiser, junge welt 1.8.2016

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