Krieger und Kulturaktivist

USA: Russell Means, Mitbegründer des American Indian Movement, mit 72 Jahren verstorben

 

Am Montag ist Russell Means, einer der Mitbegründer und Anführer des American Indian Movement, im Alter von 72 Jahren auf seiner Ranch in Porcubine, South Dakota, gestorben. Means litt seit 2011 an inoperablem Speiseröhrenkrebs. Die Los Angeles Times nannte ihn den »berühmtesten amerikanischen Indianer seit Sitting Bull und Crazy Horse«. Für viele Fans von Gojko Mitic und Karl May wurde Means zur Verkörperung des »guten Wilden«. Antiimperialistische Kräfte in aller Welt unterstützten den Aktivisten für die Rechte der nordamerikanischen Ureinwohner und seine Mitstreiter seit Jahrzehnten in ihrem Kampf zur Befreiung der »inneren Kolonien« der USA.

Geboren wurde Means 1939 auf der Pine Ridge Reservation, South Dakota, als Sohn von Theodora »Feather« Means, einer Yankton-Sioux, und Hank Means, eines Oglala-Sioux. Während des Zweiten Weltkriegs zog seine Familie nach Kalifornien, wo Russell die High School besuchte und eine Collegeausbildung absolvierte.

1964 nahm er mit seinem Vater an einer kurzen Aktion von 40 Traditionalisten teil, die Anspruch auf die Insel Alcatraz in der Bucht von San Francisco kurz nach der Schließung des dortigen Gefängnisses erhoben. Fünf Jahre später griffen die »Indianer aller Stämme« die Forderung nach Rückgabe ihrer »heiligen Stätten« mit einer monatelangen Besetzung der Insel wieder auf.

Dies war die Zeit der Gründung des American Indian Movement (AIM). Means gehörte schon früh zu dessen Wortführern und Organisatoren. Den Vorwurf, AIM wolle zurück in die Zeit vor der »Entdeckung der Neuen Welt« durch europäische Kolonialmächte, konterte Means mit der Kritik, wie rückständig die US-Gesellschaft allein schon in der Frage mangelnder Gleichberechtigung für Frauen sei.

Heute müssen US-Medien wie die Huffington Post Means’ Rolle als »moderner indianischer Krieger Amerikas« anerkennen: »Er wetterte gegen gebrochene Verträge, kämpfte für die Rückgabe gestohlenen Landes und griff sogar gegen die Regierung zur Waffe.« Gemeint ist seine Teilnahme an der spektakulären Besetzung des Ortes Wounded Knee auf der Pine Ridge Reservation im Jahr 1973, bei der das AIM die unabhängige »Oglala-Nation« ausrief. FBI und Nationalgarde beendeten die weltweit beachtete Widerstandsaktion nach 71 Tagen. Wounded Knee, 1890 Schauplatz des letzten großen Massakers der US-Armee an Hunderten wehrlosen Sioux, wurde zum Symbol des Widerstandes.

Vor Means gab es kaum Sprecher für die Sache der amerikanischen Ureinwohner von nationalem oder internationalem Rang. Myron Long Soldier, Präsident des Lincoln Indian Center in Nebraska, der Means seit den 1970er Jahren persönlich kannte, hob deshalb dessen Rolle als »Katalysator im Leben vieler junger Menschen seiner Zeit« hervor.

Means wirkte im Rahmen der Vereinten Nationen an der Etablierung des International Indian Treaty Council mit, einer Organisation indigener Völker Nord-, Mittel- und Südamerikas, die heute zu den einflußreichsten NGO in den Foren der UNO gehört.

Kritik hatte sich Means in den frühen 1980er Jahren vor allem von westlichen Linken eingehandelt. Damals kritisierte er die Politik der sandinistischen FSLN in Nicaragua gegenüber den indigenen Miskito und unterstützte deren Gruppierung MISURASATA, die mit den von der Reagan-Regierung aufgebauten Contras alliiert war.

In den beiden letzten Jahrzehnten engagierte sich Means als »Kulturaktivist«, schrieb Texte für Protestlieder und wirkte als Darsteller in mehreren Filmen mit, darunter als Häuptling Chingachgook in »Der letzte Mohikaner«. 1995 veröffentlichte er seine Autobiographie »White Men Fear to Tread«.

Die Trauerfeier für Means fand gestern auf der Pine Ridge Reservation statt. Nach der traditionellen Feuerbestattung wird seine Asche am heutigen Donnerstag in den für die Lakota heiligen »Paha Sapa«, den Black Hills im Westen South Dakotas, in alle Winde verstreut.