Letztes Gründungsmitglied der Großmütter der Plaza de Mayo in Argentinien gestorben

Letztes Gründungsmitglied der Großmütter der Plaza de Mayo in Argentinien gestorben

Buenos Aires. Am 18. Juli ist Delia Cecilia Giovanola gestorben. Die 96-Jährige war das letzte noch lebende Gründungsmitglied der argentinischen Menschenrechtsorganisation Abuelas de Plaza de Mayo (Großmütter des Maiplatzes).

Delia Giovanola, ausgebildet als Lehrerin, heiratete 1946 und machte nach dem Tod ihres Ehemannes 1963 eine Ausbildung zur Bibliothekarin. Sie wurde Leiterin einer staatlichen Grundschule in Villa Ballester, einem Vorort von Buenos Aires.

Während der Militärdiktatur wurden im Oktober 1976 ihr Sohn Jorge Oscar Ogando und seine Lebengefährtin Stella Maris Montesano, beide Mitglieder der bewaffneten Widerstandsorganisation PRT-ERP (Revolutionäre Arbeiterpartei- Revolutionäre Volksarmee) aus ihrer Wohnung in La Plata von einer Einsatzgruppe der Armee entführt. Die gemeinsame dreijährige Tochter wurde in der Wohnung zurückgelassen und von Nachbarn der Großmutter übergeben.

Giovanolas Schwiegertochter war bei ihrer Entführung im achten Monat schwanger. Bis zur Geburt des Sohnes wurde sie im geheimen Folterzentrum „Pozo de Banfield“ gefangen gehalten und anschließend ermordet. Überlebende des Folterzentrums bezeugten dies. Der Sohn wurde an ein kinderloses Ehepaar verkauft.

Delia Giovanola schloss sich früh der Gruppe der Mütter von Verschwundenen an, nahm an den ersten Runden auf dem Maiplatz sowie an den Treffen in der Heilig-Kreuz-Kirche mit Azucena Villaflor Teil, einer der Gründerinnen, die später von Marineangehörigen entführt und ermordet wurde.

Im Oktober 1977 gründete Giovanola mit zwölf weiteren Teilnehmerinnen die Gruppe der Großmütter, die sich nun für die Suche nach den Kindern der Verschwundenen einsetzte. Im selben Jahr ging sie auch in Rente um sich, nach ihren Worten, der Erziehung ihrer Enkelin und der Arbeit bei den „Abuelas“ zu widmen.

Während des Malwinen-Krieges im Jahr 1982 ging ein Bild von ihr um die Welt. Ein ausländischer Pressefotograf fotografierte die Runde, die von den Müttern und Großmüttern jeden Donnerstag auf dem Maiplatz stattfand. Delia hatte ein Schild angefertigt auf dem stand: „Die Malwinen sind argentinisch, die Verschwundenen auch“.

Im Jahr 2011 traf Delia ein schwerer Schicksalsschlag, als ihre Enkelin, die seit ihrem 18. Geburtstag ebenfalls an der Suche nach ihren Eltern und ihrem Bruder teilnahm, sich das Leben nahm.

Erst 2015, nach 39 Jahren Suche, konnte sie endlich ihr zweites Enkelkind, Martín Ogando Montesano, finden (amerika21 berichtete). Er lebte zu diesem Zeitpunkt im Ausland und wurde über die Gendatenbank identifiziert. Es war das 118. geraubte Kind, das durch den Einsatz der Großmütter gefunden wurde.

Während der argentinischen Militärdiktatur von 1976 bis 1983 wurden nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen mindestens 30.000 Menschen ermordet oder verschwanden nach ihrer Entführung durch Polizei und Militär. Zeugenaussagen ergaben, dass über 400 Kinder von Entführten in der Gefangenschaft geboren und systematisch geraubt wurden. Die Mütter wurden anschließend umgebracht.

Im Laufe der Jahre konnten die Großmütter insgesamt 130 von ihnen wiederfinden.

https://amerika21.de/2022/07/259241/argentinien-delia-giovanola

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