Neuerlicher Todesfall im Polizeigewahrsam

Neuerlicher Todesfall im Polizeigewahrsam

Erneut ist ein Flüchtling im Polizeigewahrsam gestorben. Bereits am vergangenen Samstag morgen brach der 45jährige Gambier Ousman Sey unmittelbar nach seiner Festnahme in Dortmund tot zusammen. Sey soll von den Beamten mitgenommen worden sein, weil er angeblich in seiner Wohnung randaliert haben soll. Zuvor hatte der Vater zweier Kinder zweimal einen Krankenwagen bestellt, da er sich massiv unwohl fühlte.

Die Rettungsassistenten, die Herzrasen feststellten, weigerten sich jedoch, den 45jährigen in ein Krankenhaus zu bringen. Da sein Zustand sich verschlechterte, rief der Gambier erneut den Notruf und zerschlug offenbar in Panik eine Scheibe. Zeitgleich mit dem erneuten Eintreffen des Rettungsdienstes, rückte die Polizei an. Anwohner hatten die Beamten wegen der Lautstärke verständigt. Im Gegensatz zu einer Nachbarin, einer ausgebildeten Krankenschwester, sahen die Sanitäter noch immer keine Notwendigkeit, Sey in ein Krankenhaus zu bringen. Dies, obwohl er Angaben seines Bruders zufolge zu diesem Zeitpunkt bereits stark krampfte.

Offenbar geriet der Mann wegen der Anwesenheit der Polizei und aufgrund seines schlechten Gesundheitszustandes derart in Panik, daß er sich gegen seine Festnahme wehrte. Die Beamten überwältigten ihn schließlich und führten ihn in Handschellen ab. Direkt nachdem Sey auf der Wache eintraf, brach er zusammen. »Ein sofort angeforderter Notarzt und Rettungswagen verbrachten den Mann unter laufender Reanimation in ein Dortmunder Krankenhaus, wo er kurz nach der Aufnahme verstarb«, konstatierte die Dortmunder Polizei in einer Pressemeldung von Sonnabend.

Mittlerweile ermittelt die Dortmunder Staatsanwaltschaft. Die Angehörigen Seys vermuten, daß ihm die Hilfe wegen seiner Hautfarbe verweigert wurde. Sie kündigten an, Kontakt zu Menschenrechtsorganisationen aufzunehmen, mit der Bitte den Fall aufzuklären. Zudem wollen sie unter anderem wegen »unterlassener Hilfeleistung« juristisch gegen Polizei und Rettungsdienst vorgehen. Der neuerliche Todesfall in Polizeigewahrsam erinnert indes an den Fall Oury Jallohs, der 2005 in einer Dessauer Polizeizelle verbrannte und dessen Todesumstände noch heute die Gerichte beschäftigen. Erinnert sei zudem an eine 32jährigen Dortmunder Türken, der infolge eines Pfeffersprayeinsatzes der Polizei im Juni 2010 verstarb. Trotz massiven Protesten der türkischen Community hatte die Polizei stets eine Mitschuld am Tod des jungen Mann abgestritten. Ein in Gang gesetztes Verfahren verlief im Sande.

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