Revolution in Iran: Mehr als 70 Getötete in einer Woche

Revolution in Iran: Mehr als 70 Getötete in einer Woche

Menschenrechtsgruppen gehen davon aus, dass iranische Regimetruppen bei ihrem gewaltsamen Vorgehen gegen die Revolutionsbewegung allein in der vergangenen Woche 72 Menschen getötet haben. Davon seien 56 in Ostkurdistan ums Leben gekommen.

Menschenrechtsorganisationen gehen davon aus, dass iranische Regimetruppen bei ihrem gewaltsamen Vorgehen gegen die Revolutionsbewegung allein in der vergangenen Woche 72 Menschen getötet haben. Davon seien 56 in kurdischen Städten ums Leben gekommen, erklärte die in Oslo ansässige Organisation Iran Human Rights (IHR) am Dienstag. Kurdische Aktivist:innen meldeten ähnlich hohe Zahlen. So konnte Hengaw die Identiät von 44 Opfern bestätigen. Insgesamt wird davon ausgegangen, dass der Aufstand gegen das Regime landesweit bereits mindestens 416 Todesopfer gefordert hat, wahrscheinlich sind es viel mehr.

Regime führt Krieg gegen Rojhilat

In Rojhilat (Kurdisch: „Osten“ – bezeichnet alle Gebiete Kurdistans, die im westlichen und nordwestlichen Teil des iranischen Staates liegen) hat die Gewalt des Regimes in den letzten Tagen neue Dimensionen angenommen. In Mahabad, Ciwanro (Dschawanrud), Bokan und weiteren Städten herrschen kriegsähnliche Zustände, Regimetruppen schießen mit schweren Maschinengewehren und anderen Kriegswaffen auf Menschen und Häuser. In tausendfach geteilten Videos im Netz waren Protestierende in Ciwanro zu sehen, die in den Gassen der Stadt Schutz suchen, während zahlreiche Schüsse in den Straßen hallen. Einige der Videos zeigen Menschen, die reglos und blutverschmiert auf der Straße liegen – erschossen oder erschlagen von sogenannten Sicherheitskräften. Auf anderen Bildern sind Männer in Tarnkleidung zu sehen, die „Allahu akbar“ rufen, während sie wild um sich schießen.

Bodentruppen sollen kurdische Städte „säubern“

Die Führung in Teheran hatte am Samstag die Zahl ihrer Basidsch-Milizionäre in Rojhilat aufgestockt und militärische Einheiten aus anderen Teilen des Landes in Städte in der Grenzregion zu Südkurdistan (Kurdistan-Region des Irak) verlegt. Den Truppen wurde offenbar auch ein Schießbefehl erteilt. Laut der Nachrichtenagentur Tasnim, die als Sprachrohr der Revolutionsgarde gilt, seien „Bodentruppen“ im Einsatz, um die kurdischen Städte Bokan, Mahabad, Şino (Oschnaviyeh) und Pîranşar (Piranschahr) zu „säubern“. Deutlichstes Anzeichen dafür, dass es möglicherweise grünes Licht für ein rein militärisches Vorgehen gegen die Protestierenden gegeben haben könnte: Teheran hat in zahlreichen Orten im Grenzstreifen hunderte Panzer und Artillerie-Fahrzeuge in Schlagdistanz zueinander aufgefahren.

Hengaw: „Sepah-e Nabi Akram“ verantwortlich für Massaker in Ciwanro

Unter den Bodentruppen, die vom herrschenden Klerus für die Zerschlagung der Revolutionsbewegung in Kurdistan eingesetzt werden, dürfte auch das „Sepah-e Nabi Akram“ sein. Das der Revolutionsgarde unterstehende Provinzkorps für Kirmaşan (Kermanschah) ist berüchtigt für ihre „Aufstandsbekämpfung“. Die kurdische Menschenrechtsgruppe Hengaw sprach von einem „Massaker“, das sich in den letzten Tagen in der Stadt Ciwanro, die zu Kirmaşan gehört, ereignet habe. Die Organisation geht davon aus, dass die Tötungen dort von Nabi-Akram-Söldnern verübt worden sind. Hengaw fordert internationale Konsequenzen für Bahman Reihani, den Kommandeur des Sepah-e Nabi Akram. Es stehe außer Frage, dass er das Massaker in Ciwanro befehligt hat, so die Menschenrechtsgruppe.

Iranische Invasion in KRI?

Laut Meinung von Expert:innen deute die massive Truppenkonzentration in Rojhilat aber möglicherweise auch auf eine geplante Offensive des iranischen Regimes in die KRI hin. Seit Wochen beschießt Teheran ostkurdische Oppositionsparteien im Großraum von Hewlêr (Erbil) und Silêmanî – weil sie die Revolutionsbewegung unterstützen, zuletzt gab es am Montag wieder Angriffe auf Basislager und Flüchtlingssiedlungen, eine Krankenstation wurde zerstört. Anfang der Woche hat der iranische Botschafter im Irak, Mohammed Kazem Al Sadeq, dann der irakischen Zentralregierung ein zehntägiges Ultimatum gestellt. So lange hätte Bagdad Zeit, „kurdische Separatistenorganisationen“ in der KRI zu entwaffnen.

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