United for Palestine: Über 20.000 Teilnehmer:innen bei bundesweiter Palästinademonstration in Berlin

Am 7. Oktober 2026 fanden in London trotz der Aufrufe der Behörden, die Kundgebungen zu verschieben, mehrere pro-palästinensische Demonstrationen statt. Die Londoner Polizei nahm elf Personen fest, darunter fünf, denen wegen der skandierten Parolen zur Intifada Anstiftung zum Rassenhass vorgeworfen wurde.
Weitere Festnahmen betrafen Studierende und Gegendemonstranten bei getrennten Kundgebungen und Demonstrationszügen, insbesondere wegen Nichteinhaltung der von den Ordnungskräften auferlegten Auflagen, des Verstoßes gegen die Maskenpflicht oder wegen Körperverletzung. Angesichts dieser starken Polizeipräsenz und der Spannungen mit Gruppen, die den Völkermord befürworten und gekommen waren, um diesen Gedenktag zu begehen, lösten die Behörden die Demonstrationszüge schließlich auf.

United for Palestine: Über 20.000 Teilnehmer:innen bei bundesweiter Palästinademonstration in Berlin
Am Samstag organisierte United4Palestine eine gleichnamige Demonstration in Berlin, für die aus ganz Deutschland mobilisiert wurde. Laut Veranstalter:innen nahmen daran über 20.000 Personen teil. Die Demonstration forderte den Stopp des Genozids in Gaza und der Siedlungspolitik des israelischen Staats.
Am 10. Oktober nahmen sich in Berlin zehntausende Menschen die Straßen, um gegen den andauernden Genozid in Gaza durch den israelischen Staat und die Siedlungspolitik in der Westbank zu protestieren. Die Demonstration fiel nicht zufällig auf das Wochenende kurz nach dem dritten Jahrestag des 7. Oktobers, den Israel weiterhin dazu nutzt, die seit über 70 Jahren andauernde Vertreibung und Vernichtung von Palästinenser:innen zu einem offenen Genozid zu verschärfen.

Die Demonstration sollte zuerst vor dem Brandenburger Tor starten und war auch seit August dort angemeldet. Am Tag zuvor wurde dieser Startpunkt jedoch per Verfügung durch die Polizei verboten. Stattdessen startete die Demonstration an der Otto-von-Bismarck-Allee, vor dem Bundeskanzleramt.

Ein Ende des Genozids gefordert
Aufgerufen hat das Kollektiv United4Palestine, das aus in Deutschland lebenden Palästinenser:innen besteht. In dem Aufruf wird angeprangert, dass selbst nach der Ausrufung des Waffenstillstands im Oktober letzten Jahres weiterhin mindestens 1.250 Palästinenser:innen, darunter 300 Kinder, von Israel ermordet wurden. Die anhaltende Vertreibung und Besatzung im Gazastreifen und Westjordanland, sowie das weiterhin bestehende Apartheidsystem waren weitere Kritikpunkte.

Zu den Forderungen gehörten ein sofortiges Ende des israelischen Genozids, der Apartheid und der Besatzung sowie der deutschen Unterstützung dafür. Zudem wurden eine konsequente Achtung des Völkerrechts, die Aufhebung der Lieferblockade in Gaza sowie die Entkriminalisierung der Palästina-Solidarität und ein Schutz vor anti-palästinensischer Diskriminierung gefordert.

Die Demonstration war sehr breit aufgestellt, mindestens 20.000 Menschen nahmen laut Veranstalter:innen teil. Es beteiligten sich palästina-solidarische Organisationen aus ganz Deutschland, die teilweise auch öffentliche Anreisen zu der Demonstration organisierten, unter anderem aus Städten wie Köln, Hamburg und Leipzig. Auch inhaltlich wurden durch Banner, Reden und Parolen verschiedene Themen aufgegriffen. Auf die über 100.000 in dem Genozid ermordeten Palästinenser:innen wurde zum Beispiel durch sehr lange Stoffrollen mit einigen der Namen der Opfer aufmerksam gemacht.

Ein Hochtransparent mit der Aufschrift „Justice for Akel“ machte zudem auf den getöteten Studenten Akel aufmerksam, der an der Berliner Hochschule für Technik (BHT) studierte und bei einem Besuch seiner Familie im Libanon von israelischen Luftangriffen ermordet wurde.

Gegen Repressionen und sexualisierte Polizeigewalt
Auf die sexualisierte Polizeigewalt, die Israel tagtäglich gezielt als Waffe gegen Palästinenser:innen, aber auch Internationalist:innen richtet, wurde ebenfalls aufmerksam gemacht. Dies geschah mit einem Banner und der Aufschrift „110 Gründe, das Schweigen zu brechen“, das auf die gleichnamige Konferenz am 18. Oktober aufmerksam machte. Einer der Anlässe für diese Konferenz ist der Bericht einer Internationalistin, die letztes Jahr in einem israelischen Gefängnis vergewaltigt wurde, nachdem sie sich mit anderen Internationalist:innen im Rahmen der „Global Sumud Flotilla“ über das Meer auf den Weg nach Gaza machte, um humanitäre Hilfe zu leisten, und dabei von Israel abgefangen wurde.

Ein weiteres Thema, das aufgegriffen wurde, sind die sogenannten „Ulm5“, fünf Aktivist:innen, die im September 2025 in den deutschen Sitz des israelischen Rüstungskonzerns Elbit Systems eingebrochen sein und diesen sabotiert haben sollen. Sie hatten sich vor Ort festnehmen lassen und sitzen seitdem in Untersuchungshaft. Auf der Demonstration in Berlin machten diesbezüglich mehrere Plakate auf die am 24. Oktober geplante bundesweite „Free the Ulm5“-Demonstration in Stuttgart aufmerksam.

Polizeigewalt diesmal ausgeblieben
Die Demonstration verlief weitgehend ohne Zwischenfälle. Ein Redner wurde am Rande der Demonstration festgenommen, um seine Personalien festzustellen, da er etwas Unliebsames gesagt haben soll. Zudem gab es neben der Demonstration eine kleine Gruppe pro-Israel Demonstrierender, die von der Polizei permanent begleitet und beschützt wurde.

Die massive Gewalt, welche die Polizei in der Vergangenheit immer wieder gegen palästina-solidarische Demonstrationen einsetzte, blieb jedoch aus – anders als bei einer Demonstration in Berlin am 7. Oktober selbst. Am Mittwoch wurden dabei mindestens 40 Personen von der Polizei festgenommen. Diese setzte Schläge und Schlagstöcke gegen Demonstrierende ein und sperrte den gesamten Kottbusser Platz in Berlin ab, um gegen die Demonstrierenden vorzugehen, die für ein Ende des Genozids in Gaza demonstrierten.

https://perspektive-online.net/2026/10/united-for-palestine-ueber-20-000-teilnehmerinnen-bei-bundesweiter-palaestinademonstration-in-berlin