Aus Briefen von Andreas Krebs vom 30. 10. und 12.11. 2013

Aus Briefen von Andreas Krebs vom 30. 10. und 12.11. 2013

Ich schrieb …, dass das Hauptproblem eine Vollzuginspektorin Frau Karg ist, die hier die komplette Entscheidungsgewalt hat (furchtbare Person). Sie sagte am Anfang, als ich hierher kam, wenn es nach ihr ginge, würde ich die RHZ und das GI nicht bekommen, da werden die Gefangenen ja nur ermutigt zum HS u. a.

Ja, leider kann ich nur eine Tageszeitung beziehen und da kann man schon froh sein.
Ich fragte vorhin einen Beamten beim Abendessen diesbezüglich, der gleich meinte, wir sind hier in Niederbayern und nicht da und da!
Die Frage hätte ich mir schenken können.
Erst vor ca. 3 – 4 Wochen war ein Vorfall auf der vorherigen Station, wo ich war. Beim Abendessen teilte der Hausmeister (ein Zuträger der Anstalt, sprich Ratte) das Essen aus und als ich an die Reihe kam meinte er:
einen schönen Gruß vom Küchenbeamten und sollte ich mich nochmals wegen meines Essen beschweren (ich bekomme spezielles Nahrung), dann würde er bei mir andere Seiten aufziehen.
Was meinst Du, wie ich ausgestiegen bin. Ich schrie vor dem Stationsbeamten, dass er diesen Typen  anrufen soll, er soll seine Uniform ausziehen und bei mir antreten, dann zeig ich ihm, was Sache ist.
Keinen Muckser hörte ich tags darauf  und ich schrieb auch dem Hausdienstleiter. Die waren auf jeden Fall sehr sprachlos. (Smiley-Zeichen)
Was glauben manche Leute, wer sie sind, bloß weil sie eine Uniform an haben.
Ich scheiß mich nicht ein und vor dem Eingesperrt-sein oder Disziplinarstrafen habe ich keine Angst, nun über diesen Punkt bin ich schon lange hinweg.
Von mir aus können sie mich die letzten 12 Monate in den Bunker verlegen, mir egal, aber die brechen mich nicht, niemals!!!!!!!!!!!
Und das Schöne ist, ich bin nicht erpressbar. Ich habe nichts, besitze nur das in meiner Zelle, habe null Kontakt zu meinem früheren Umfeld, ich will keine Lockerungen oder vorzeitige Entlassung, also können sie mir auch nichts nehmen.
Weist Du, ich bin eher ruhig, sehr höflich jedem Gegenüber, aber wenn ich merke, wie Macht und so weiter ausgespielt werden, wie man Menschen behandelt, legt sich mein Schalter um. Ich habe in den letzten 18 Monaten soviel an Ungerechtigkeiten erlebt, dass ich mich komplett verändert habe. Es ist eine Veränderung in mir vorgegangen, einfach Wahnsinn.
Ich möchte, wenn ich raus komme, unbedingt was tun!

Du, erst gestern bekam ich einen Brief von Sonja (Suder).
Eine gute Freundin von Sonja kümmert sich seit einem ¾ Jahr mit Briefen um  mich….
Zu Sonja  möchte ich Folgendes sagen: sie ist eine tolle Frau und jeder Brief von ihr beeindruckt mich sehr. Sie ist ein Mensch, obwohl sie so viele eigene Sorgen und Probleme hat, kümmert sie sich  mehr um Andere, als um sich selbst.  
Gegenüber Mitgefangene strahlt sie Ruhe und Gelassenheit aus und sie hat immer ein Ohr für Andere. Viele können sich eine Scheibe von ihr abschneiden! Sie macht sich etwas Sorgen um mich und ich sollte mich nicht provozieren lassen.
Ich wünsche mir sehr, dass ich sie nach meinen 12 Monaten Knast in Freiheit treffen kann, denn sie ist mir sehr ans Herz gewachsen!

Entschuldige das Papier, aber ich habe nicht einmal mehr Schreibpapier. Und dieses wurde mir hier von einen Kumpel gemacht, der im PC-Kurs war. (Smiley-Zeichen)

Die Artikel der Presse-AG habe ich erhalten. Ich hoffe, dass ich auch die Nächsten bekomme.
Bei denen hier in der JVA weiß man nie, wo man dran ist, mal so und mal so.
Ich mache mal Reklame für Euch, aber leider können die meisten Inhaftierten weder mit dem GI noch was mit der RHZ etwas anfangen, die meisten wissen auch noch nicht mal was von deren Existenz.
Interessant ist, das russische Gefangene mehr Interesse dafür zeigen, als alle Anderen.
Dazu kommt, dass hier in Bayern einfach die Justiz noch ihr eigenes Süppchen kocht und kein Vergleich zu anderen Bundesländern besteht.
Ich könnte in meiner insgesamt 16-jährigen Hafterfahrung echt ein Buch schreiben, mit Geschichten zum Weinen und zum Lachen.
Leider habe ich das vorletzte GI nicht mehr, da ich, wenn das neue kommt, das alte abgeben muss.
Noch was Anderes: es gibt ein paar  Gefangene, die auch gerne das GI beziehen möchten. Allerdings lehnt die Anstalt den Bezug für alle anderen Gefangenen ab, mit der Begründung, dass der Bezug für Gefangene nicht kostenlos wäre.
Leider kann ich meinem Kumpels nichts zu kommen lassen wegen Infos zu GI, da ich ja auf dieser speziellen Abteilung bin, abgeschirmt von allen anderen Strafgefangenen.
Derzeit bin der Einzige, der dieses GI bekommt und es wäre ein großer Erfolg auch für andere Inhaftierte in bayerischen Gefängnissen, es  wäre dann überall uneingeschränkt zugänglich.
Die Anstalt möchte nicht, dass die GI in Umlauf kommen und daher immer „Alt gegen Neu“.
Die alten Ausgaben kommen dann zu meiner Habe. Na ja, Hauptsache, ich bekomme sie nun und das wurde auch schriftlich festgehalten.
(Anmerkung: Nach unseren Informationen ist er der einzige Gefangene, der das GI und die RHZ  in Bayern erhält.)
 
Du, was ich auch super finde, sind die Rundbriefe für Gefangene aus Berlin. Als ich diese das erste Mal gelesen habe, war ich auch sehr beeindruckt und ich finde, dass gerade wir rebellischen Gefangenen uns alle zusammen schließen sollten, untereinander kommunizieren oder auch mal für eine Sache eine Aktion starten.
Ich kenne die Haftsituation  noch aus dem Anfang der 90er Jahre, da war der Zusammenhalt unter allen Gefangenen ganz anders und viel besser als jetzt. Du siehst ja, was heute los ist. 90% interessieren sich für Nichts. Hauptsache, ihnen geht es gut, egal um welchen Preis.

Im übrigen möchte ich Dir noch erzählen, dass durch die Öffentlichkeitsarbeit aller Beteiligten, das Verhalten der Bediensteten plötzlich sehr vorsichtig ist.
Total höflich und man geht mir aus dem Weg. Mal sehen wie lange, aber immerhin auf der Station ist es ruhiger.
Und da möchte ich auch nochmals Danke sagen, denn ohne Deinem Zutun und den Solis aus Hamburg, Berlin, München und vor allem des GI wäre das nicht so.
Es zeigt also, das wir nur gemeinsam etwas erreichen können und der Zusammenhalt sehr wichtig ist.
Nur mein HS, meine Sturheit und Konsequenz, hätte das nicht bewirkt.
Ich denke, dass das ein Erfolg für uns ALLE ist und das man dies im GI noch mal erwähnen sollte.
Es sollte jedem noch mehr Mut und Kraft geben. Amberg/Landshut ist das beste Beispiel dafür.
Es hat gezeigt, dass es funktioniert, wenn wir nur wollen.
Ich bin sicher, das ich vielleicht durch den einen oder anderen Beamten, oder von dem Nazipack eine Retourkutsche bekommen werde, dass es dem Einen oder Anderen nicht passt. Aber das ist mir scheißegal und dann sage ich mir, jetzt erst recht und noch viel härter und konsequenter.
Nun schließe ich diese Zeilen und freue mich, bald wieder von Dir zu lesen. Danke für Deine Post und die die Marken!
Liebe Grüße an Dich und alle Anderen.
Andreas, DANKE  

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