Diskussionsveranstaltung: Todesfastenwiderstand als Mittel des politischen Kampfes

Diskussionsveranstaltung: Todesfastenwiderstand als Mittel des politischen Kampfes

Yaşasın Ölüm Orucu Direnişimiz (Es lebe unser Todesfastenwiderstand)

Sonntag, 12. Juni 2022 um 16 Uhr im NewYorck im Bethanien

Diskussionsveranstaltung: Todesfastenwiderstand als Mittel des politischen Kampfes

„Unser Todesfastenwiderstand ist die stärkste Ausdrucksform für den Kampf um die Unabhängigkeit und Freiheiten. Und sie wird anhalten…“

Sibel Balaç und Gökhan Yıldırım, die in türkischen Knästen eingesperrt sind, befinden sich seit Dezember 2021 im Hungerstreik, welchen sie mittlerweile in ein Todesfasten umgewandelt haben. Ein weiterer revolutionärer Gefangener, Özgür Karakaya, war für 43 Tage im Hungerstreik gegen die Aneignung seines Rechtes auf Kaution. Özgül Emre, die in deutschen Gefängnissen eingesperrt ist, befindet sich in einem unbefristeten Hungerstreik um gegen das Tragen der Gefängniskleidung zu protestieren. Bei einem Hungerstreik isst man nichts, außer Zucker und B12-Präparaten. Im Falle des Todesfastenwiderstandes, welcher ein unbefristeter Hungerstreik ist, werden entweder die eigenen Forderungen erfüllt oder man stirbt an Unterernährung. Politisch ausgedrückt bedeutet Todesfasten: Entweder Gerechtigkeit oder Tod!

Das bekannteste Beispiel dafür ist der Kampf der irischen Republikaner. Bobby Sands und andere irische revolutionäre Gefangene traten 1981 in einen Hungerstreik, um gegen die Abschaffung des Sonderstatus zu protestieren, der revolutionären Gefangenen davon ausnahm Gefängnisuniformen zu tragen. In der Türkei starben 1980 unter der faschistischen Militärjunta vier Revolutionäre an den Folgen eines unbefristeten Hungerstreiks, um gegen die Einführung von Gefängnisuniformen zu protestieren. In beiden Fällen waren die Hungerstreiks ein materieller Erfolg, denn noch immer müssen weder in 32 Ländern noch in der Türkei revolutionäre Gefangene Gefängnisuniformen tragen. Doch neben den materiellen Erfolgen liegt der Kerngedanke woanders: Den Tod zu wählen, um die eigene Identität, Integrität und Würde zu bewahren, ist ein Sieg für jeden Menschen.

Heute gibt es Tausende von politischen Gefangenen in der ganzen Welt. Politische Gefangene werden meist in Einzelhaft gehalten, wo sie von anderen Gefangenen völlig isoliert sind und nur sehr begrenzt Zugang zur Außenwelt haben. Der Grund für die Einzelhaft hat viele Gesichter. Einer davon besteht darin, den Gefangenen aus der sozialen Produktion herauszulösen. Der Mensch ist nicht nur ein biologisches Wesen: Wir Menschen sind soziale Wesen und können uns nur in einem sozialen Kontext entfalten. Die Isolationshaft ist eine der entmenschlichendsten Formen der Folter.

In der Türkei starben 1996 und zwischen 2000 und 2007 mehr als 130 Revolutionär:innen, um gegen die Einführung von Isolationsgefängnissen anstelle von Schlafsälen zu protestieren. In der Isolationshaft ist der eigene Körper das einzige Mittel, um sich gegen diese unmenschlichen Bedingungen zu wehren. Hungerstreiks und Todesfasten sind eine der wirksamsten Kräfte, die ein Gefangener haben kann, wobei der Körper zur Waffe wird.

In dieser Veranstaltung wollen wir die Geschichte und die Beweggründe für das Todesfasten als politisches Kampfmittel vorstellen und mit euch diskutieren. Wir wollen Fragen aufwerfen wie: Was ist der Tod? Warum wandelt man einen Hungerstreik in ein Todesfasten um. Warum ist dies ein wichtiges Mittel im politischen Kampf, insbesondere für Gefangene?

Ein Genosse, der im Jahr 1996 in der Türkei am Todesfastenwiderstand teilgenommen hat, wird bei uns sein und uns Einblicke in den Prozess geben. Für diese Veranstaltung werden wir Übersetzungen, einer Reihe von Artikeln über den Widerstand gegen das Todesfasten, aus der Zeitschrift Halk Okulu (Volksschule) zur Verfügung stellen.

https://antiimperialiststruggle.noblogs.org/
http://political-prisoners.net/

Die Einladungstext ist auch auf Englisch und Türkisch verfügbar.

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