Gefängnis macht krank

Gefängnis macht krank

Immer wieder kommt es zu Corona-Ausbrüchen in Gefängnissen. Doch auch bezogen auf andere Erkrankungen findet dort gesundheitliche Gefährdung von Menschen statt. Betroffene von Haft sind meist Ausländer:innen, Arme, Kranke und Substanz-Abhängige. Seelisch und körperlich sind Insassen stärker belastet als die restliche Bevölkerung.

In der letzten Woche ist es zu mehreren Corona-Ausbrüchen in Haft gekommen. Am Dienstag wurde bekannt, dass in der JVA Fulsbüttel mehrere Insassen erkrankt waren. Kurz vor Neujahr hatten sich über 30 Menschen in der JVA Tegel in Berlin mit Corona infiziert. Durch die enge Unterbringung sind Gefangene nicht nur besonders durch Covid-19 bedroht, sondern es gibt viele Erkrankungen, über die medial selten berichtet wird.

Menschen, die unter Haftbedingungen leben müssen, sind überdurchschnittlich oft von Sucht- und Infektionserkrankungen betroffen. Hinzu kommen Störungen des Bewegungsapparats und schlechte Zähne. Infektionskrankheiten verbreiten sich unter Häftlingen vor allem durch geteilte Spritzen zum intravenösen Drogenkonsum oder durch Tätowier-Nadeln. Dadurch sind bis zu 20 Prozent aller Häftlinge in Deutschland mit Hepatitis C infiziert.

Mangelnde medizinische Versorgung

Eine Behandlung wäre grundsätzlich möglich. Die hohen Kosten pro Person werden von den Justizbehörden jedoch nur allzu oft umgangen. Die Krankenversicherung von Inhaftierten ist während ihrer Haft ausgesetzt, und die jeweiligen Länder der Justizvollzugsanstalten sind für deren gesundheitliche Versorgung verantwortlich. Entsprechend unterscheidet sich deren Qualität oft erheblich.

Zum Beispiel kommt es vor, dass den Drogenersatztherapien bzw. der Drogensubstitution für Häftlinge nicht stattgegeben wird, wenn sie in eine Vollzugsanstalt interniert werden oder in Haft abhängig geworden sind. Laut dem Robert-Koch-Institut (RKI) haben 80 Prozent aller injizierenden Drogenkonsument:innen in Deutschland Hafterfahrungen.

Ebenso gestaltet sich die Besetzung von ärztlichem Fachpersonal schwierig, weil der Berufsstand in einer JVA keinen guten Ruf genießt. Frauen in Haft haben oft nur begrenzten Zugang zu einer gründlichen gynäkologischen Untersuchung.

Menschen, die schon vor dem Haftantritt krank waren, haben nur geringe Chancen, im Gefängnis vollumfänglich zu genesen. Um Geld zu sparen, wird mit der gesundheitlichen Unversehrtheit von Gefangenen leichtfertig umgegangen. Aber nicht nur die Inhaftierten, auch die Mitarbeiter:innen des Wachpersonals haben eine überdurchschnittliche Kranken- und Fehlquote.

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