Kalifornischer Knast-Hungerstreik geht weiter

Morgen geht der Hungerstreik von kalifornischen Gefangenen in eine neue Runde, nachdem die Behörden keine Vereinbarung aus den vorangegangenen Verhandlungen eingehalten haben. Wir dokumentieren hier eine Pressemitteilung der „Prisoner Hunger Strike Solidarity“ aus Kalifornien. Die deutsche Übersetzung stammt vom Free-Mumia Bündnis Berlin.

Am Montag, den 26. September 2011 nehmen die Gefangenen aus den Knästen Pelican Bay und Calipatria den Hungerstreik wieder auf. Der Hungerstreik hatte bereits einen Großteil des vergangenen Julis aus Protest gegen die Haftbedingungen angedauert, darunter vor allem gegen die Langzeit Isolationshaft sowie die weitverbreitete Praxis der Gang Bewertung (1) und erzwungenen Aussagen gegeneinander. Trotz eines internationalen Aufschreis und auch gesetzgeberischer Initiativen in Kalifornien sagen Gefangene, dass die Kalifonische Gefängnisbehörde (CDCR) bis heute keine substantiellen Änderungen unternommen sowie es versäumt hat, die Verhandlungsversprechungen zu erfüllen, die im Juli zu einem Abbruch des Hungerstreiks führten.

„Das ist noch lange nicht vorbei und wir werden ab dem 26. September 2011 erneut – hoffentlich zum letzten Mal – unser Leben in einem gewaltfreien Hungerstreik riskieren, um positive Veränderungen durchzusetzen“ schreibt Mutope Duguma (aka, James Crawford), ein Gefangener in der Hochsicherheitsabteilung (SHU) des Pelican Bay Gefängnisses. Er ist ein Delegierter der Gefangenen. „Über 2,5 Jahre sind wir unter den schlimmsten bekannten Bedingungen lautlos in Einzelhaft gehalten worden. Daher werden wir weiterkämpfen, um endlich wie Menschen behandelt zu werden.“

Gefangene aus dem „Schutzhaft“ Bereich ( Administrative Segregation = Ad-Seg) (2) im Staatsgefängnis von Calipatria werden sich den Gefangenen im SHU Bereich von Pelican Bay anschließen. Calipatria liegt im südöstlichen Kalifornien, im Landkreis Most County. Schutzhaft Bereiche sind ähnlich zu den Hochsicherheitsabteilungen. Beide halten Gefangene für lange Zeit in Isolationshaft. Gefangene in Calipatria sind auch den sogenannten Gang Einstufungen und unbestimmten Verurteilungspraktiken unterworfen, um die es im Hungestreik des vergangenen Sommers ging. Viele Gefangene werden als willkürlich eingestufte Gangmitglieder mehrere Jahre in Schutzhaft gehalten, bevor sie nach Pelican Bay verlegt werden. „Mehrere hundert Gefangene aus der Schutzhaft in Calipatria haben unbefristete Hochsicherheitsstrafen erhalten. Die Mehrheit dieser Männer wartet drei bis vier Jahre in der Schutzhaft, um dann nach Pelican Bay in die Hochsicherheitsabteilung verlegt zu werden“, sagt Kendra Casteneda, die einen Familienangehörigen in Calipatria hat. „Die Männer in Calipatria streiken wegen der selben Bedingungen, die in Pelican Bay und Gefängnissen durch ganz Kalifornien existieren.“

Die Kalifornische Gefängnisbehörde (CDCR) scheint im Vorfeld zu versuchen, Gefangene in Erwartung des Hungerstreiks brechen zu wollen. Sie sagen bereits öffentlich, dass sie harte Maßnahmen gegen die Streikenden einleiten werden. Um die harte Haltung der CDCR deutlich zu machen, sagte der stellvertretende Sekretär Scott Kernan kürzlich in einem Interview: „Falls es irgend ein Anzeichen für Hungerstreiks gibt, glaube ich kaum, dass die Behörde es diesmal genauso hinnehmen wird.“ Anwält_innen haben in ihren letzten Besuchen Aussagen von Gefangenen aufgenommen, an denen Vergeltung seitens der Schließer_innen für ihre Beteiligung am Sommer Hungerstreik geübt wurde. „Gefangene erhalten sehr ernste Strafeinstufungen dafür, z.B. in der Bücherei zu reden oder nicht schnell genug zu laufen. Normalerweise sind diese (Strafeinstufungen) für schwere Regelübertritte vorbehalten“, sagt Carol Strickman, eine Anwältin für Gefangene mit Kindern. „Es ist deutlich, dass die Behörden diese Männer einschüchtern wollen, damit sie für keine der Rechte und Privilegien berechtigt wären, die der Streik durchsetzen könnte.“

An dem Hungerstreik des vergangenen Sommers gab es eine weit ausgedehnte Beteiligung über das kalifornische Gefängnissystem. Mindestens 6600 Gefangene nahmen in über einem Drittel der 33 Staatsgefängnisse daran teil. Landesweite sowie weltweite Unterstützung führten zu einer gesetzgeberischen Anhörung in der Bundesstaatshauptstadt. Dort wurden die Bedingungen in Kaliforniens Hochsicherheitsbereichen von den Gesetzgeber_innen eingehend geprüft und von Expert_innen scharf verurteilt. Familienangehörige, Vertreter_innen und Organisationen haben sich verpflichtet, weiterhin die Gefangenen bei der Aufnahme ihres Streiks zu unterstützen und ihnen zu bei der Durchsetzung ihrer Forderungen zu helfen.

Prisoner Hunger Strike Solidarity
Pressesprecher: Isaac Ontiveros
Telefon: 001 – 510 444 0484
weitere Informationen über den Streik und aktuelle Entwicklungen: www.prisonerhungerstrikesolidarity.wordpress.com

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