Lesung: Briefwechsel zwischen Christa Eckes und Hüseyin Çelebi

Lesung: Briefwechsel zwischen Christa Eckes und Hüseyin Çelebi

In Hamburg fand im Centro Sociale eine Lesung und zugleich Buchvorstellung des kürzlich erschienenen Briefwechsels zwischen den beiden Revolutionär:innen Christa Eckes und Hüseyin Çelebi statt.

Das Kulturzentrum Centro Sociale war am Mittwochabend entsprechend der Corona-Auflagen voll besetzt. Interessierte aus verschiedenen Generationen linker Menschen, darunter viele (Zeit)genoss:innen, kamen zu der Veranstaltung im Rahmen des monatlichen Cafés von TATORT KURDISTAN. Gisela Dutzi, die gemeinsam mit Sieglinde Hoffmann und Brigitte Mohnhaupt den Briefwechsel herausgegeben hatte, las gemeinsam mit dem Aktivisten und Sozialwissenschaftler Ramazan Mendanlioglu Ausschnitte daraus vor.

Zunächst erzählte ein Zeitgenosse aus seinen Erinnerungen an Hüseyin, lernten sie sich doch bei gemeinsamen Arbeiten kennen, kurz bevor Hüseyin in den Knast musste. Er habe immer ein Lachen in den Augen gehabt. In dem sogenannten Düsseldorfer Prozess, welcher sich gegen eine Vielzahl kurdischer Aktivist:innen richtete, habe er immer lautstark protestiert. Als er ihn in den Bergen Kurdistans wiedertraf – Hüseyin hat sich nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis der Guerrilla angeschlossen – sei er erstaunt gewesen, wie gut sich dieser an die neue Umgebung angepasst habe, ist er doch in Deutschland aufgewachsen. Hüseyin sei ein großartiger Genosse, ein wirklicher Revolutionär und zurecht ein großes Vorbild für kurdische Studierende gewesen. Am 23. Oktober 1992 kam er bei einem Angriff von südkurdischen Kollaborateuren und der türkischen Armee ums Leben. Er wurde 25 Jahre alt.

Christa Eckes wuchs wie Hüseyin in Hamburg auf, war jedoch fast 20 Jahre älter. Auch sie betätigte sich früh schon politisch und schloss sich im Sommer 1973 der RAF an. Ein Jahr später wurde sie mit sechs weiteren Mitgliedern verhaftet und zu sieben Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Nach ihrer Entlassung ging sie erneut zur RAF und wurde erneut verhaftet. Bis 1992 saß sie für acht weitere Jahre im Knast. In den Jahren 1988/89 nahm Christa Kontakt zu Hüseyin auf, konnte er doch als einer der wenigen kurdischen Genoss:innen fließend Deutsch. Sie wusste noch wenig über die kurdische Bewegung, Hüseyin hingegen wenig über die deutsche Justiz und die Knäste. So begannen sie ihren Austausch. Nach ihrer Freilassung setzte sich Christa weiter für die Rechte von Gefangenen und Geflüchteten ein. Am 23. Mai 2012 verstarb sie an Leukämie.

Die Korrespondenz hatte Christa ihren Genossinnen hinterlassen, welche diese nun herausgegeben haben. „Wir wussten aus Gesprächen, dass sie ihr immer wichtig war und dass sie auch vorhatte, alles zu sortieren und Hüseyins Vater Kopien zu bringen. Erst später begannen wir uns über das Paket der Briefe einen Überblick zu verschaffen – was gehört zusammen, was sind die inhaltlichen Bereiche. Vieles war nur noch schwer lesbar, 30 Jahre alte Durchschläge, fehlende Ecken, schlechte Kopien usw. – also musste zuerst alles abgetippt werden“, erklären sie in der Einleitung zu dem Buch.

Diese Arbeit lohnte sich, wie allein am Interesse an der Veranstaltung ersichtlich wurde. Zwischendurch habe es Zweifel gegeben, so Gisela Dutzi in der an die Lesung anschließenden Gesprächsrunde. Je mehr sie von den Briefen gelesen hätten, desto überzeugter seien sie gewesen. Zwar sei nicht alles aktuell, aber als zeitgeschichtliches Dokument dennoch unheimlich aufschlussreich. Zudem sei die Notwendigkeit des Zusammenkommens und der Solidarität unterschiedlicher sozialer Bewegungen damals wie heute gegeben.

Die Briefe stellen sich nicht nur hinsichtlich des Wissens als lesenswert dar, welche diese zu vermitteln suchen. Sie lassen sich, so Gisela Dutzi, auch als Aufruf zur Einheit verschiedener linker Gruppen lesen. Bestimmte Aspekte sollten nicht voneinander trennend wirken, stattdessen das Gemeinsame verbinden.

Gewisse politische Diskussionen konnten in diesen Briefen nicht ausführlich geführt werden, zumal diese auch unter staatlicher Zensur standen. Diese wollten Christa und Hüseyin sowieso lieber gemeinsam außerhalb der Gefängnismauern führen. Dieser Wunsch konnte sich leider nicht mehr erfüllen. Umso mehr liegt es an denen, die auch heute für eine Alternative kämpfen, den intensiven Austausch weiter zu suchen, in Diskussion miteinander zu gehen und voneinander – auch generationsübergreifend – zu lernen.

Briefwechsel Christa Eckes – Hüseyin Çelebi

edition cimarron

2021

12,-

http://www.fair-bestellwerk.com/Briefwechsel-Christ-Eckes-Hueseqin-Celebi

https://anfdeutsch.com/aktuelles/lesung-briefwechsel-zwischen-christa-eckes-und-huseyin-Celebi-29151

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