Mitte Oktober 2015 wurde die linke Aktivistin Dilek Dogan in ihrer Wohnung in Istanbul bei einer Polizeirazzia erschossen.

Ein geleaktes Video dokumentiert die Tat.

Am 18. Oktober 2015 starb im mehrheitlich von Aleviten bewohnten Istanbuler Stadtteil Kücük Armutlu eine 25 Jahre junge Sozialistin.

Dilek Dogan wurde während einer Razzia,
die sich gegen die vom türkischen Staat verfolgte Revolutionäre Volksbefreiungsfront (DHKP-C) richtete, von Polizeikugeln getroffen, sie erlag ihren schweren Verletzungen. Unmittelbar nach der Tat sprach ihr älterer Bruder, Emrah Dogan, von einer gezielten Hinrichtung.

Polizeisprecher und regierungsnahe
Medien dagegen stilisierten die junge
Aktivistin zu einer gefährlichen potentiellen »Selbstmordattentäterin«, einige sprachen von einer »Schießerei«. Der Schütze, Yüksel M., behauptete, es sei zu »Auseinandersetzungen« gekommen, in deren Verlauf er aus Notwehr geschossen habe.

Diese Versionen wurden durch ein geleaktes Video aus einer Gerichtsakte widerlegt.
Das Video wurde im Internet publik gemacht.

Es dokumentiert die kritischen Minuten der Hausdurchsuchung. Schwerbewaffnete Polizisten einer Sondereinsatzeinheit dringen
in das kleine Haus der Familie Dogan ein.

Zu sehen ist, wie ein Beamter in einem der Räume Möbel und Betten durchsucht, während andere im Flur mit Dilek, ihrer Mutter und ihrem Bruder reden. Den Schuss selbst sieht man nicht.

Aber: Die Lage ist nicht angespannt.
Man hört, wie der Polizist Yüksel M. die 25jährige anherrscht: »Was habe ich dir gesagt?« Sie fragt: »Was machst du da?«
Dann fällt ein Schuss. Die Kamera schwenkt zum Geschehen, Dilek Dogans Mutter und Bruder schreien, Dogan liegt getroffen am Boden. Irgendeine »Auseinandersetzung«
oder gar »Schießerei« war der Tat nicht vorhergegangen.

Das Video legt nahe, dass es sich bei
der Erschießung Dilek Dogans um einen kaltblütigen Mord gehandelt hat. Dass der türkische Staat vor außergerichtlichen Hinrichtungen nicht zurückschreckt, stellt
er derzeit täglich in den kurdischen Regionen des Landes unter Beweis. Auf offener Straße werden protestierende Jugendliche von Heckenschützen getötet und posthum
einfach zu »DHKP-C-Kämpfern« erklärt.

Über einhundert dieser angeblichen Kombattanten habe man in den letzten Tagen erschossen, ließ Ankara diese Woche stolz verlautbaren.

Parallelen weist der Mord an Dilek Dogan
zu der Erschießung von Günay Özarslan
im Juli 2015 auf. Özarslan, wie Dogan
Alevitin mit kurdischen Wurzeln, war
bei einer der zahlreichen Operationen gegen vermeintliche DHKP-C-Aktivisten in ihrer Wohnung erschossen worden. Die Polizei behauptete ebenfalls, sie habe bewaffneten Widerstand geleistet. Und auch hier äußerten Anwalts- und Menschenrechtsorganisationen bald Zweifel an der offiziellen Version des Tathergangs.

Laut Halk Cephesi (Volksfront), in deren politischer Nähe Dilek Dogan gestanden hatte, verheimlichten Krankenhausleitung und Arzt im Bildungs- und Forschungskranerten mit der Polizei den Tod von Dikek Dogan.

Dilek Dogan, die bei einer Razzia am 18. Oktober 2015 gegen 4.30 Uhr von der Polizei angeschossen wurde, verlor am 25. Oktober 2015 um 17:30 Uhr ihr Leben. Seit der tödlichen Schussverletzung wurde sie auf der Intensivstation des Okmeydani Krankenhauses für Bildung und Forschung behandelt.

Erst 3 Stunden nach ihrem Tod wurde die Familie der Verstorbenen benachrichtigt. Besser gesagt, wurde die Familie überhaupt nicht benachrichtigt, sondern erfuhr indirekt davon, weil Ärzte des Krankenhauses die Todesnachricht ins Internet durchsickern ließen. Gewissheit hatten sie dann, als sie darauf beharrten, auf die Intensivstation zu kommen.
https://www.facebook.com/Freiheitskomitee-246203649416735/?ref=py_c

Die Volksfront reagierte mit scharfen
Worten auf diese Verhaltensweise:
„Kein Arzt, keine Krankenhausleitung, kein Mensch hat das Recht Auskunft über den Gesundheitszustand und noch dazu über
den Tod von Dilek ihrer Familie vorzuenthalten. Diese Charakterlosigkeit ist weder mit Menschlichkeit, noch mit Berufsethik noch
mit gesellschaftlichen Werten vereinbar.

Dilek’s Arzt und die Krankenhausleitung haben sich nicht nur vor den Gesetzen dieses Landes schuldig gemacht, sondern werden sowohl Dilek’s Familie als auch Millionen Menschen, die auf Nachricht von Dilek warteten, als unmoralische Kollaborateure im Gedächtnis bleiben.“

Die Volksfront forderte daraufhin die Aufklärung vom Krankenhaus und von den behandelnden Ärzten : „Nehmt Stellung dazu! Habt ihr den Tod von Dilek zu verantworten? Wenn nicht, warum habt ihr dann die Todesnachricht eines Menschen vor seiner Familie verheimlicht?

Oder habt ihr die Reaktionen, die der Tod von Dilek gegenüber dem Faschismus aulösen werden in Rechnung gestellt und euch gedacht ‚Besser wir informieren vorher die Polizei, damit sie sich vorbereiten kann, und wir sagen es der Familie erst, wenn die Polizei es genehmigt‘?

Bittet ihr erst die Polizei um Erlaubnis, bevor ihr eine Familie über den Tod ihrer Angehörigen informiert? Wir werden dieses Verbrechen niemals vergessen.“

Inzwischen haben der ältere Bruder von
Dilek Doğan, Emrah Doğan und ein Mitglied
der Volksfront in einer Presseerklärung angekündigt, dass sie für Dilek und für die Gerechtigkeit in den Hungerstreik treten.

„Wir wissen, dass es in diesem Land nur für die Herrschenden Gerechtigkeit gibt und deshalb erfordert sogar die Forderung nach Gerechtigkeit Opfer. Wir sind bereit, dieses Opfer zu zahlen, indem wir die Nahrung verweigern und wir werden auf jeden Fall Gerechtigkeit herstellen!“

Einen Tag nach der Ermordung Dogans
war Angela Merkel bei Recep Tayyip Erdogan. Die Kanzlerin hatte dem Autokraten ein Angebot zu machen: Drei Milliarden Euro soll Erdogan bekommen, wenn er die Grenzen für Flüchtlinge schließt. Angela Merkel schüttelte seine Hand, lächelte freundlich, über Dilek Dogan kein Wort. Unter Partnern macht man das so.