»Freiheit für Sonnur Demiray!«

»Freiheit für Sonnur Demiray!«

Linke Aktivistin sitzt seit Jahren in Isolationshaft. Auch Ehemann steht unter Beobachtung. Gespräch mit Haydar Demiray

Haydar Demiray ist Sozialist, kam 1996 aus der Türkei als politisch Verfolgter nach Deutschland und erhielt politisches Asyl. Er ist seit 2012 mit Sonnur Demiray verheiratet

Die Aktivistin Sonnur Demiray wurde im Juni 2013 verhaftet und im Juli 2015 zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt. Sie sitzt ihre Haftstrafe seitdem in Isolationshaft ab. Wie kam es 2013 zu Sonnurs Verhaftung?

Sonnur ist 42 Jahre alt und in Deutschland geboren und aufgewachsen. Sie ist Sozialistin. Wir heirateten 2012 und lebten gemeinsam in Köln. 2013 wurde sie verhaftet. Nach etwa einem Jahr begann das Verfahren an. Sie wurde nach Paragraphen 129b angeklagt und zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt. Ihr wurde die Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Organisation vorgeworfen, konkret die in der DHKP-C. Als Beleg angeführt wurde, dass ­Sonnur Konzerte der populären linken Band Grup Yorum mitorganisierte und Eintrittskarten dafür verkaufte, an 1.-Mai-Demos teilnahm und noch weiteren nach deutschem Recht legalen politischen Aktivitäten nachging.

Wie ist ihre Situation seit der Verhaftung?

Sonnur war während ihrer Untersuchungshaft in Vechta in Niedersachsen, um sie von ihrem Freundeskreis zu trennen. Nach der Verurteilung kam sie nach Schwäbisch Gmünd. Seit März 2017 ist sie in der JVA Köln-Ossendorf. Seit ihrer Verhaftung ist Sonnur in Isolationshaft. Die Isolation in der Gefangenschaft ist eine spezielle Methode, um die Persönlichkeit eines Menschen zu brechen und ihn gefügig zu machen. Die Auswirkungen der langen Haftzeit und Isolation auf meine Frau sind mittlerweile sehr deutlich geworden. Seit geraumer Zeit ist sie gesundheitlich angeschlagen und zeigt ernsthafte Krankheitssymptome. Sie ist in psychologischer Behandlung, doch die schlägt nicht an. Ich weiß nicht, wie diese Therapie aussieht, mir und auch ihrer Anwältin werden keine Informationen gegeben. Von der Gefängnisleitung erhalte ich auch keine Informationen über ihren Zustand.

Sonnur hat bereits zwei Drittel ihrer Haftstrafe abgesessen, ein Antrag auf vorzeitige Haftentlassung wurde abgelehnt.

Genau. Der Antrag auf Freilassung wurde ebenso abgelehnt wie die Anträge für den offenen Vollzug und auch für einen Langzeitbesuch. Vor kurzem haben wir erfahren, dass Sonnur zusätzlich ständigem politischen Druck ausgesetzt ist. Sie soll ihre politischen Überzeugungen aufgeben, sich von mir scheiden lassen, den Kontakt zu ihrem Freundeskreis abbrechen und nach Hannover umziehen. Die anderen Gefangenen wurden dazu angestachelt, gegen Sonnur vorzugehen. Sie ist Mobbing ausgesetzt, was dazu führt, dass sie auch zur Freistunde nicht nach draußen geht. Wir sind wirklich in Sorge.

Kann Sonnur sich zumindest weiterbilden in Haft?

Sie legte im Gefängnis das Abitur ab, und obwohl wir auch einen Praktikumsplatz gefunden haben, wurde das Praktikum von der Gefängnisleitung nicht genehmigt.

Auch Sie sind seit Sonnurs Verhaftung Repression durch den deutschen Staat ausgesetzt.

2013 entzog man mir meinen Aufenthaltsstatus, zeitgleich zur Verhaftung meiner Ehefrau. Auf einmal erhielt ich nur noch eine Duldung. Ich darf meinen Wohnort nicht verlassen. Um meine inhaftierte Ehefrau in Vechta und Schwäbisch Gmünd besuchen zu können, musste ich jedesmal eine Genehmigung von der Ausländerbehörde einholen.

Wie kann man Sonnur unterstützen?

Man kann die Gefängnisleitung anrufen oder ein Fax schicken und erklären, dass es eine Zumutung ist, Sonnur in ihrem Zustand weiterhin in Haft zu behalten. Sie muss sofort entlassen werden und eine medizinische und psychologische Behandlung in ihrer gewohnten Umgebung antreten. Die Repressionen und der Druck auf Sonnur müssen sofort beendet werden. Auch kann man dem Justiz- oder Gesundheitsministerium schreiben und demokratischen Vereinen und Organisationen von Sonnurs Fall berichten. Zeigen wir, dass Sonnur nicht allein ist. Freiheit für Sonnur Demiray!

Interview: Eleonora Roldán Mendívil
junge Welt 25.7.2018

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