Solidarität mit Kelly Pflug-Back, verhaftet beim G20 in Toronto, Kanada

Solidarität mit Kelly Pflug-Back, verhaftet beim G20 in Toronto, Kanada

Am 19. Juli wurde Kelly Rose Pflug-Back zu elf Monaten Haft verurteilt wegen angeblicher Sachbeschädigung während den Protesten gegen den G20-Gipfel in Toronto. Oder wie wohl eine eher konservative Nachrichtenseite meint für: “her role in the destruction and terror that paralyzed the city at the G20 summit two years ago”. Sie soll ein Teil des Black Bloc gewesen sein.

In ihrem Text “Every Prisoner is a Political Prisoner”, zu finden auf crimethinc.com, schildert sie die Erfahrungen ihrer ursprüngliche Verhaftung in erschreckenden Details. Alle weiteren Zitate stammen aus diesem Text.
Verhaftet wurde sie aus einer Demonstration heraus, schon hierbei ging die Polizei nicht sonderlich zurückhaltend vor: “I can’t say I felt anything when my face hit the floor, but later in my cell I noticed a deep throbbing in my teeth and gums. The front ones were loose. My mouth tasted like blood.”
Noch bedeutend schlimmer waren die Zustande während dieser erstmaligen Inhaftierung. Kelly verlor wegen niedrigem Blutzucker das Bewusstsein, den Gefangenen wurde nur alle 12 bis 24 Stunden ein Käsesandwich gegeben.
Aber nicht nur die menschliche Kälte, sondern auch die klimatische Kälte macht die Haftbedingungen unerträglich: “I’d been arrested in a short skirt and tank top, and they had refused me, numerous times, pants or a blanket. It was freezing inside the detention center. There was no way to get off the bare concrete. My teeth chattered constantly, and I never stopped shaking. It was too cold to sleep.”  Zudem kam es zu zahlreichen Übergriffen durch Beamt_innen, so wurden etwa Frauen mit Vergewaltigung bedroht.

Noch in der ersten Verwahrung besprach sie mit einem Mitinsassen, dass jede arme Person politisch sei, einfach auf Basis ihrer Erfahrungen. Damit ist selbstredend nicht Parteipolitik gemeint oder “politisch” im Sinne der Anhängerschaft an eine ausgefeilte Doktrin, sondern ein Verständnis für die Grausamkeit der herrschenden Zustände.
Sie wurde in ein gewöhnliches Frauengefängnis verlegt. Dort musste sie ihre Zeit entgegen der üblichen Vorgehensweise durchgehend unter “maximum security” Bedingungen verbringen, denn sie war als “Terroristin” eingestuft worden. Ihre dortigen Erfahrungen haben ihre Ansichten über das Gefängnissystem nur bestätigt:
“My views of the prison system solidified: prisons are little more than warehouses for concentrating the poor. Rather than being populated by the people most harmful to society, they are crowded with those who have been the most harmed by society. ”
Unter den Haftbedingunge verschlechterte sich ihr Gesundheitszustand zusehends, sie verlor 10 Kilo, konnte kaum mehr gehen und litt an Depressionen. Nach ungefähr einem Monat kam sie in strengen Hausarrest. Weitere zwei Monate später folgte ihr das Trauma auch dort hin: “When I closed my eyes all I could see was torture and war, droughts and chemical spills, napalm.”
Doch all diese Erfahrungen haben ihren politischen Ansichten noch einmal bestätigt. Sie hat erfahren, dass manche eingesperrt werden, weil sie gegen Armut protestieren und andere, weil sie arm sind. Doch alle sind sie politische Gefangene.

Ihre Postadresse:
Kelly Pflug-Back
Vanier Centre for Women

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