Todesstrafe für Verteidigung

US-Administration sperrt couragierte Anwältin trotz Krebserkrankung hinter Gitter-
Lynne Stewart, eine brillante und kämpferische Strafverteidigerin aus New York City, blickt auf eine herausragende Laufbahn zurück, für die mancher ihrer Berufskollegen seine Seele verkaufen würde. Sie ist eine Verteidigerin, die alles für ihre Klienten gibt. Und die in der Regel der Fälle dafür sorgt, daß sie freikommen und nach Hause gehen können. Sie hat einige der größten Verfahren in der Justizgeschichte New Yorks durchgefochten und die meisten davon gewonnen, auch gegen die US-Regierung.

Einer dieser Prozesse war der gegen den ägyptischen muslimischen Geistlichen Umar Abd Ar-Rahman. 1995 wurde der seit seiner Kindheit erblindete heute 75jährige gemeinsam mit neun weiteren Angeklagten wegen des ersten Bombenanschlags auf das World Trade Center zu lebenslanger Haft verurteilt. Lynne Stewart nahm als seine Verteidigerin öffentlich Stellung zu diesem Verfahren und überreichte dabei der Presse auch eine schriftliche Erklärung ihres Mandanten, in der er seine persönlichen Überzeugungen dargelegt hatte. Gegen die Anwältin wurde daraufhin ein Strafverfahren eröffnet. Der Vorwurf: Sie habe die Kommunikation ihres Mandanten erleichtert und somit einen Akt der Verschwörung zur materiellen Unterstützung des Terrorismus begangen. Dafür sollte sie nach Meinung der Staatsanwaltschaft für 35 Jahre im Gefängnis verschwinden. Das Strafgericht verurteilte sie 2005 zu 28 Monaten Haft. Die Staatsanwaltschaft ging in Berufung, und so wurde Lynne Stewart schließlich durch Beschluß des 2. Bundesberufungsgerichts zu zehn Jahren Haft in einem Bundesgefängnis verurteilt. Außerdem wurde ihr die Zulassung als Rechtsanwältin entzogen.

Lynne, heute 73 Jahre alt, war vor dem Gefängnis an Krebs erkrankt und hatte ihn besiegt. Nun, in der Haft, ist der Krebs wieder ausgebrochen. Die medizinische Behandlung im Bundesgefängnis von Fort Worth, Texas, ist, gelinde gesagt, nicht optimal. Für die couragierte und prinzipientreue Verteidigerin, die ein Stachel im Fleisch des Staates war, seit sie zum ersten Mal einen Gerichtssaal betrat, könnte sich die zehnjährige Gefängnisstrafe deshalb nun in ein Todesurteil verwandeln.

Der ehemalige Richter und konservative Kommentator des Senders Fox-TV, Andrew Napolitano, hatte das Urteil gegen Stewart als »perversen Sieg des Justizministeriums« bezeichnet »und eine Justizposse, die darauf abzielt, alle Anwälte einzuschüchtern, die sich mit ganzer Kraft für die Rechte ihrer Mandanten einsetzen«.

Die brillante Verteidigerin Lynne Stewart braucht jetzt jede erdenkliche öffentliche Unterstützung.

Übersetzung: Jürgen Heiser

www.lynnestewart.org

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