Zum Tode verurteilt als »Feindin Gottes«

Zum Tode verurteilt als »Feindin Gottes«

Weltweite Kampagne für die iranische Kurdin Zeynep Celaliyan
Von Anja Flach, junge Welt 20.5.15
Seit dem 9. April führt die der PKK nahestehende Freie Frauenbewegung im iranischen Ostkurdistan (KJAR) eine weltweite Kampagne für die politische Gefangene Zeynep Celaliyan. Schon seit Jahren berichtet das Kurdische Frauenbüro für Frieden »Ceni« in Düsseldorf immer wieder über Celaliyan, deren Gesundheit bedroht ist. So bestehe die akute Gefahr, dass sie ihr Augenlicht verliert, berichtet die kurdische Nachrichtenagentur DIHA.

Die kurdische Frauenbewegung versucht in vielen europäischen Städten, so in Paris, Helsinki und Kopenhagen, die Öffentlichkeit über die Situation politischer Gefangener im Iran aufzuklären. Dossiers über Celaliyans kritischen Gesundheitszustand und den Hintergrund ihrer Haft sollen in den nächsten Wochen an Parlamente und Menschenrechtsorganisationen übergeben werden.

»Das iranische Regime setzt systematisch auf Hinrichtungen als eine Methode der Einschüchterung gegen oppositionelle Kräfte«, erklärte die KJAR in ihrem Aufruf. »Durch Folter, Todesstrafe und Exekutionen sollen alle Teile der Gesellschaft eliminiert werden, die an Widerstand gegen die undemokratische und unmenschliche Politik festhalten. Zeynep Celaliyan ist ein Beispiel für alle Frauen, die trotz inhumaner Bedingungen nicht aufgeben, und aufrecht in ihrem Kampf für Befreiung bleiben.«

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Zeynep Celaliyan wurde 1982 in Maku im Westiran geboren. Bei ihrer politischen Arbeit für die kurdische Bewegung setzte sie sich insbesondere für die Partizipation von Frauen im politischen Leben ein. Sie engagierte sich für die Ausbildung von Mädchen, um sie zu bewegen, gegen das patriarchale und männlich dominierte System in der Region zu kämpfen. Im März 2008 wurde sie vom Geheimdienst Kirmashan verhaftet. Das islamische Revolutionsgericht verurteilte sie im Dezember 2009 in einem nur wenige Minuten dauernden Verfahren ohne anwaltliche Vertretung als »Feindin Gottes« zum Tode. Als Begründung musste ihre angebliche Mitgliedschaft in der verbotenen »Partei für ein freies Leben in Kurdistan« herhalten, die sie bestreitet.

Nachdem der Fall von Celaliyan immer wieder in der internationalen Presse thematisiert wurde, wandelte die iranische Justiz im November 2013 die Todesstrafe in lebenslängliche Haft um. Schon vorher hatte Celaliyan im Oktober aus dem Gefängnis heraus geschrieben, dass sie darum gebeten habe, »meine Mutter zu sehen, was abgelehnt wurde. Sie schlugen gegen meinen Kopf, darum habe ich starke Kopfschmerzen. Mit einem Auge kann ich nicht mehr sehen, das andere ist schwächer geworden. Meine Nieren sind von mehreren Hungerstreiks entzündet«. Laut DIHA wurde Celaliyan nach einer Kampagne in verschiedenen Krankenhäusern in Kirmanshan behandelt, aber im Dezember 2014 in das Gefängnis Xoy verlegt und ihre Behandlung unterbrochen. Da dort die Gesundheitsversorgung sehr eingeschränkt ist, gibt es Anlass zu großer Besorgnis, schreibt DIHA.

Das KHRN (Kurdistan Human Rights Network) berichtet aktuell über den Fall einer weiteren politischen Gefangenen im Gefängnis Yasouj, die 25jährige Ghadriye Ghaderi, die sich seit dem 23. April im Hungerstreik befindet. Sie protestiert damit gegen ihren Haftort, der knapp 1.000 Kilometer von ihrem Heimatort Urmiye entfernt ist. Sie wird beschuldigt, mit der PKK zusammengearbeitet zu haben, und wurde im Mai 2011 in Urmiye verhaftet. Auch sie hat schwere gesundheitliche Probleme.

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