Zum Todestag des Tierbefreiungsaktivisten Barry Horne

Zum Todestag des Tierbefreiungsaktivisten Barry Horne

Der 05. November ist der Todestag des Tierbefreiungsaktivisten Barry Horne. Barry starb am 05. November 2001 in einem britischen Gefängnis; durch das letzte ihm verbleibende Mittel zum Protest, dem Hungerstreik. Zu diesem Anlass gibt es alljährlich Soliaktionen von Tierbefreiungsaktivist*innen weltweit.

 

Barry Horne im Sommer 1997 nach seinem ersten Hungerstreik:
«Ja, ich war im Hungerstreik, aber nicht ich habe den Hungerstreik gewonnen und ich habe auch nicht all die positiven Dinge erreicht, die daraus entstanden sind. Das war die Bewegung, nicht ich. Die Bewegung war ausreichend stark, um für die Tiere mobil zu machen und das zu tun, was getan werden musste. 

Die Bewegung, das sind einfach nur Menschen, Menschen wie du und ich, wir alle. Wir sind die Bewegung und jeder von uns ist sehr wichtig. Ohne jeden Einzelnen von uns wird die Bewegung schwächer und ärmer. Ohne uns alle hört sie auf zu existieren. Wer wird sich dann für die Tiere einsetzen? Wir können die Tiere befreien, die Welt ändern und Frieden und Gerechtigkeit für alle schaffen.»
(Newsletter der Vegan Prisoner Supporters Group)

 Wer war Barry Horne?
Einer der bekanntesten Tierrechtler_innen Englands, Barry Horne (49-jähriger Familienvater), verstarb am 5. November 2001 während seines Hungerstreiks für die Tiere. 1998 wurde er wegen Sachbeschädigung an Tierversuchsfirmen zu 18 Jahren Gefängnis verurteilt. Er gab jedoch nie auf und kämpfte auch aus dem Gefängnis bis zuletzt für die Tiere. Außerhalb der Tierrechtsbewegung wurde er erstmals bekannt, als er im Januar/Februar 1997 mit einem Hungerstreik auf die Qual der Versuchstiere aufmerksam machte.
Dadurch erreichte er unter anderem auch, dass sich die Tierrechtsszene in England vermehrt gegen größere Firmen wandte, welche nach wie vor Tierversuche vornehmen. Als die Thematik der Tierversuche in das Bewusstsein der Öffentlichkeit drang und die Labour-Partei in einer Werbeschrift (vor ihrer Wahl) versprach, sich gegen die Tierversuche einzusetzen, brach Barry Horne nach 35 Tagen seinen Hungerstreik ab. Durch den großen öffentlichen Druck und die Versprechen der Politiker glaubte Barry, sein Ziel erreicht zu haben, dass in dieser Sache endlich etwas unternommen werde. Leider wurde er enttäuscht und fühlte sich von den Politiker_innen verraten. Die Labour-Partei setzte keines ihrer Wahlversprechen nach ihrer Machtübernahme um. Dies verhärtete die Fronten zwischen den Tierrechtler_Innen und den Machthaber_innen noch mehr.
Ende August 1997 setzte Barry Horne erneut auf den Hungerstreik und brach ihn erst nach 46 Tagen ab, als die Regierung sich für Verhandlungen bereit zeigte. Später stellte sich heraus, dass dies eine weitere Lüge der Regierung war: Am selben Tag, als die « Verhandlungen» aufgenommen wurden, gab die Regierung dem größten Tierversuchsunternehmen Englands, Huntingdon Life Sciences (HLS), wieder die Erlaubnis, weitere Versuche durchzuführen. Dies obwohl kurz davor der Firma diese Erlaubnis entzogen wurde, weil Mitarbeiter_innen der Firma Beagle-Welpen auf „kriminelle Art“ quälten.

Barry Horne ließ der Regierung dennoch mehrere Monate Zeit, um ihren Versprechen Taten folgen zu lassen. Doch in den folgenden Monaten kümmerte sich von deren Seite niemand mehr um Tierversuche. Die Anzahl Tiere, welche für solche Versuche missbraucht wurden, stieg im Jahr 1998 sogar weiter an! 
Dies veranlasste Barry im Oktober zum dritten und längsten Hungerstreik, bei dem er bereits zu Beginn darauf aufmerksam machte, dass er bereit sei, für die Tiere zu sterben. Zuerst wurde diese Aussage kaum wahrgenommen, als er aber physisch immer schwächer wurde, änderte sich die Situation: Internationaler Protest formierte sich. Vor den Häusern aller wichtigen Kabinettminister wurde demonstriert (auch vor dem Haus von Tony Blair). Tiere wurden aus Labors befreit.
Vier Tage vor dem Ende seines längsten Hungerstreiks war er auch mental sehr geschwächt. Am 68. Tag willigte er in einen Vorschlag der Regierung ein. Er hatte nicht mehr die nötige Kraft und Konzentrationsfähigkeit für komplexe Verhandlungen. Von diesem Hungerstreik hat er sich dann auch physisch nie mehr richtig erholt. Er war fast taub und seine Sehkraft besserte sich auch nicht mehr.

Doch sein Wille war ungebrochen.
Am 21. Oktober 2001 begann er seinen letzten Hungerstreik, der am 5. November für ihn tödlich endete. Er hatte sich zum Ziel gesetzt, nicht aufzugeben, bis die englische Regierung ihr Versprechen wahr machen würde, oder andernfalls den vielen in Versuchslabors getöteten Tieren zu folgen. Sein Grundsatz war es, weder Menschen noch Tiere direkt zu schädigen; ansonsten war er aber bereit, für die Befreiung der Tiere bis zum Äußersten zu gehen. Vor allem in den britischen Boulevardmedien wurde er daraufhin als Fanatiker und Menschenhasser diffamiert, selbst noch nach seinem Tod.
„In life he was a nobody, a failed dustman turned firebomber. But in death Barry Horne will rise up as the first true martyr of the most successful terrorist group Britain has ever known, the animal rights movement.“
„Zu Lebzeiten war er ein Niemand, ein gescheiterter Müllmann, der Brandstifter wurde. Man wird seiner als erstem Märtyrer der erfolgreichsten Gruppe von britischen Terroristen gedenken: der Tierrechtsbewegung.“
(Kevin Toolis: im Guardian, 7.November 2001)
Weshalb wurde Barry Horne zu 18 Jahren Gefängnis verurteilt? 
In den 80er Jahren gab es eine Tierrechtskampagne gegen die Pharmafirma «Boots». Diese Aktionen wurden beendet, als die Firma es fertig brachte, alle davon zu überzeugen, dass sie eine tierfreundliche Firma sei. Diese Lüge wurde Anfang der 90er Jahre durch eine Aktion der ALF (Animal Liberation Front) aufgedeckt, als deren Aktivist_innen Tiere aus Versuchslabors der Firma befreiten und die Vorgänge in der Firma öffentlich machten. Damit war die Firma wieder im Rampenlicht der englischen Tierbefreier_innen, welche verständlicherweise empört über die Lügen der Firmenleitung waren. Alle Tierrechtsorganisationen führten daraufhin Aktionen gegen diese Firma durch.
Diese reichten vom Boykottaufruf bis zur Wirtschaftssabotage. Die Polizei ging daraufhin immer härter gegen die Tierrechtler_innen vor. Dann gab es eine Serie von Anschlägen, bei denen mehrere Gebäude dieser Firma in Flammen aufgingen. Der durchschnittliche Schaden belief sich auf rund eine Million Pfund pro Anschlag. Immer wurde jedoch darauf geachtet, dass weder Personen noch Tiere dabei zu Schaden kamen. Der Höhepunkt dieser Auseinandersetzungen wurde erreicht, als auf der Isle of Wight mehrere Anschläge parallel verübt wurden, wodurch die Feuerwehr mit dem Löschen überfordert war. Der Schaden belief sich deshalb auf rund 3 Millionen Pfund.
Mitte der 90er Jahre wurde Barry Horne verhaftet, als er in einem Geschäft, welches auch für Tierausbeutung verantwortlich gemacht wird, eine Brandvorrichtung anbringen wollte. Da die Polizei bei der Suche nach den Brandstifter_innen von der Isle of Wight, trotz der Verhaftungen von 50 Personen, nicht vorwärts kam wurde Barry Horne sofort auch für die dortigen Brandstiftungen als Alleintäter verantwortlich gemacht. Er stritt dies vor Gericht ab und bekannte sich nur schuldig, in Bristol Anschläge verübt zu haben. Dennoch wurde er für alle Anschläge als Alleintäter schuldig gesprochen und zu 18 Jahren Haft verurteilt.

 Info zu Barry:
www.barryhorne.org
 Weitere Infos zum Fall Barry Horne gibt es hier:

 http://totalliberation.blogsport.de

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