Die Journalistin Eva Maria Michelmann ist am Freitag nach Deutschland zurückgekehrt. Zuvor befand sie sich gemeinsam mit ihrem Kollegen Ahmet Polad über fünf Monate in syrischer Haft. Im Gefängnis wurden sie komplett von der Außenwelt abgeschnitten und sahen sich Folter ausgesetzt.
Die deutsche Journalistin Eva Maria Michelmann ist aus syrischer Haft entlassen worden und nach Deutschland zurückgekehrt. Das vermeldete am Freitagnachmittag die kurdische Nachrichtenagentur ETHA. Sie ist bereits in Deutschland gelandet. Die Initiative „Freedom for Eva and Ahmet!“ bestätigte diese Information gegenüber ETHA.
Seit dem 18. Januar war die Journalistin zusammen mit ihrem Kollegen Ahmet Polad von der neuen syrischen Übergangsregierung gefangen genommen. Ob Polad ebenfalls aus der Haft entlassen wurde, bleibt zunächst unklar.
Folter, Verletzungen und schlechter Gesundheitszustand
Beide Journalist:innen berichteten im Januar über die Angriffe der syrischen Übergangsregierung und islamisch-fundamentalistischer Milizen gegen die Gebiete der Selbstverwaltung in Rojava. Während ihres Einsatzes wurden sie ohne Anklage oder Verfahren in der Stadt Raqqa verhaftet und in ein Gefängnis nach Aleppo gebracht.
Anschließend wurden beide in ein Gefängnis der syrischen Hauptstadt Damaskus verlegt. Die Initiative für Freiheit von Eva und Ahmet berichtete über systematische Folter, schwere Verletzung und einem beängstigend schlechten Gesundheitszustand beider Gefangener. Familie, Anwält:innen, unabhängige Ärzt:innen oder das Rote Kreuz haben trotz Drängen der Initiative keinen Zugang zu beiden bekommen.
Die Information über den Gesundheitszustand oder Verbleib beider Journalist:innen kamen nur durch entlassene ehemalige Mitinhaftierte an die Öffentlichkeit. Seit Ende April gab es keinen weiteren Kontakt zu Eva Michelmann und Ahmet Polad. Außerdem bestätigte die syrische Regierung erst knapp 3 Monate nach Gefangennahme die Inhaftierungen.
Bundesregierung hielt sich bedeckt
Formal ist das Auswärtige Amt für Eva Michelmann als deutsche Staatsbürgerin zuständig. Die Initiative für Eva und Ahmed machte dem Auswärtigen Amt und der Bundesregierung immer wieder Vorwürfe, sich nicht für die Journalistin einzusetzen. Nach Angaben des Anwalts der Familie Michelmann, Roland Meister, sprach das Auswärtige Amt von „intensiven Bemühungen“, die aber monatelang nicht in Ergebnissen resultierten. Einmalig besuchten deutscher Auslandsvertreter:innen Michelmann im April im Gefängnis.
Dabei erkannten sie auch den schlechten Gesundheitszustand Michelmanns, erwirkten aber trotzdem monatelang keine Besserung ihrer Lage. Währenddessen intensivierte die deutsche Bundesregierung die politischen und wirtschaftlichen Beziehung zur neuen syrischen Regierung.
Nach Angaben des Spiegels erwirkte nun das Auswärtige Amt Michelmanns Freilassung. Demnach habe die deutsche Botschaft in Damaskus die Journalistin konsularisch betreut und gemeinsam mit der deutschen Botschaft in Beirut gegenüber Präsident Ahmed al-Sharaa die Rückkehr nach Deutschland erwirkt. Auch die Zentrale des Auswärtigen Amtes in Berlin soll stark in die Gespräche eingebunden gewesen sein.








