Lebensgefährlicher Angriff auf Antifaschisten in Göttingen – tausende Teilnehmer:innen bei Spontandemonstratione

  In der Nacht auf Sonntag wurde ein Antifaschist in Göttingen niedergestochen und lebensgefährlich verletzt. Der mutmaßliche Täter wurde in Gewahrsam genommen, am selben Abend jedoch wieder freigelassen. In Göttingen und anderen Städten fanden bereits Spontandemonstrationen mit tausenden Teilnehmer:innen statt, weitere Demonstrationen sind angekündigt.
In den frühen Morgenstunden des 21. Juni wurde in Göttingen ein 23-jähriger Antifaschist von mit einem Messer niedergestochen. Mutmaßlich von einem Neonazi. Der Betroffene hat nach den Angaben einer Bekannten viel Blut verloren und befindet sich aktuell in einem künstlichen Koma.

Der mutmaßliche 17-jährige Täter wurde am Sonntagnachmittag von der Polizei in Gewahrsam genommen, am selben Abend jedoch wieder freigelassen. Und das, obwohl die Polizei das Messer, welches als Tatwaffe gedient haben soll, bei dem mutmaßlichen Täter gefunden hat.

Grund für die Freilassung ist, dass er möglicherweise aus Notwehr gehandelt habe. Das erklärten die Behörden. Der Angegriffene war zwar in einer Gruppe unterwegs, es sei jedoch niemand bewaffnet gewesen, berichtete hingegen eine Zeugin.

Große Spontandemonstrationen als Antwort
In Göttingen selbst wurde daraufhin am Sonntagabend eine spontane Demonstration unter dem Motto „Auf die Straße gegen rechte Gewalt“ organisiert, an der sich über 1000 Menschen beteiligten. Aufgerufen haben unter anderem das „Bündnis gegen Rechts Göttingen“ sowie die Ortsgruppe der „Sozialistischen Deutschen Arbeiterjugend“ (SDAJ).

Ein Teil der Demonstration machte sich gegen Ende auf den Weg zum Wohnhaus des mutmaßlichen Täters. Dieses sowie die umliegenden Straßen wurden jedoch von einem starken Aufgebot von Polizeikräften mit Helmen und Schlagstöcken abgesperrt.

Auch in anderen Städten, wie Berlin, Hamburg und Freiburg, wurden spontane Demonstrationen und Kundgebungen organisiert. „Göttingen versuchter Mord, Widerstand an jedem Ort“ und „Faschos gibt’s in jeder Stadt, bildet Banden, macht sie platt“ wurden dabei in Berlin von mehreren hundert Menschen skandiert.



Kein Einzelfall
Auf den Demonstrationen wurde wiederholt darauf hingewiesen, dass dieser Angriff kein Einzelfall ist und sich die faschistischen Angriffe in den letzten Monaten gehäuft haben. Erst vor wenigen Wochen wurde in Stuttgart ein Mann ebenfalls lebensgefährlich durch einen faschistischen Angriff verletzt.

Auch ist es nicht lange her, dass in Berlin zwei antifaschistische Jugendliche von Faschisten mit einer Machete angegriffen und schwer verletzt wurden. Oder dass ein antifaschistischer Jugendlicher in Erfurt von Faschisten verfolgt, mit einem Schlagring angegriffen und schwer verletzt wurde.

Insgesamt wurden in Deutschland seit 1990 mindestens 224 Menschen durch faschistische Gewalt getötet.

Weitere Demonstrationen
In Göttingen sowie in anderen Städten wurden bereits weitere Demonstrationen angekündigt:

Göttingen, 22.06. 17:00 Uhr, Gänseliesel

Duisburg, 22.06. 18:00 Uhr, König Heinrich Platz

Aachen, 22. 06. 18:00 Uhr, Markt

Köln, 22.06. 18:30 Uhr, Kalk Post

Frankfurt a. M., 22.06. 19:00 Uhr, Hauptwache

Mönchengladbach, 22.06. 19:00 Uhr, Sonnenhausplatz

Leipzig, 22.06. 20:00 Uhr, Lene-Park

https://perspektive-online.net/2026/06/lebensgefaehrlicher-angriff-auf-antifaschisten-in-goettingen-tausende-teilnehmerinnen-bei-spontandemonstrationen/