Alfredo Cospito: Update Tag 41

Alfredo Cospito: Update Tag 41

Die kritische Phase des Hungerstreiks von Alfredo Cospito beginnt allmählich. Hier Updates von seiner Situation, sowie von Ivan Alocco und von Juan Sorroche, vom solidarischen Geschehen weltweit und vom Plan der italienischen Justiz. Außerdem: was hat dieser Kampf mit uns zu tun?

Ursprünglich veröffentlicht von Indymedia DE (Tor-Adresse).

Save the dates (Berlin):

5.12., 7pm, NewYorck-Bethanien (Berlin), infos and discussion after the courtdecisions
TagX, 19 Uhr, NewYorck-Bethanien (Berlin), Notfalltreffen im Falle des Todes eines der Hungerstreikenden
Infos aus dem Gefängnis

Wie von 41bis vorgesehen, ist es beinahe unmöglich, vom oder über den isolierten Häftling Informationen zu erhalten. So ist die Nachrichtenlage über Alfredos Zustand selbst für seine Nächsten – Freundinnen, Gefährtinnen wie Verwandte – unklar. Vor kurzem hat er jedoch Besuch von einer Person im Auftrag des Staates bekommen, die für so etwas wie die Einhaltung der Menschenrechte von Gefangenen zuständig sein soll. Durch diese Person ist zumindest bekannt geworden, dass Alfredo Cospito bereits vor Beginn des Hungerstreiks Vitamine gefordert hatte. Die Einnahme von Vitaminen während dem Hungerstreik kann es dem*der Streikenden ermöglichen, z.B. nicht so schnell die Denkleistung und auch die Hirngesundheit zu verlieren. Die Justiz hat die Bereitstellung der Vitamine extrem verzögert. Drei Wochen nach Beginn des Hungerkampfes wurden sie ihm erst ausgehändigt. Ob durch diese durchaus bekannte staatliche Taktik bereits Schäden an Alfredos Körper verursacht wurden, ist nicht zu sagen.

Von Ivan Alocco, der eine Woche nach Alfredo mit dem Hungerstreik begonnen hat, gibt es eine Mitteilung, in der er schildert, dass er trotz den nun eintretenden Effekten des Hungerstreiks in kämpferischer Stimmung ist. Er fühlt sich müde und schwindlig, doch er ist angesichts des Gefühls, durch die Teilnahme am Streik auch im Knast etwas tun zu können, entschlossen.

Juan Sorroche hat nach einem Monat Hungerstreik am 24. November seinen Hungerstreik unterbrochen, wie der Blog lanemesi berichtet.

Nachrichten der Solidarität

Es gibt weiterhin viele Aktionen in direkter Unterstützung des Streiks. So wurden z.B. in Madrid Fenster des Hauptsitzes Endesa, einer Firma des italienischen Konsortiums Enel eingeworfen, in der Toscana Kabel der Autobahn Firenze – Pisa agezündet, in Milwaukie in Oregon ein Van vom Knast- und Militärausrüster KONE und in Athen ein Truck von LG durch Feuer zerstört. Die Hamletaufführung im Teatro Argentina in Rom wurde durch eine Intervention trotz Widerstand des Personals unterbrochen. Es gab ein riesiges Transparent vom Glockenturm der Kathedrale von Florenz und in Turin gab es eine Demo, die eine Intervention in der Gran Madre Kirche mit einschloss. In Bolzano wurde der Sender RAI eingefärbt, außerdem gab es dort eine Kundgebung mit anschließendem Gang vor die Knastmauern. In Genua gingen neulich vierzig Leute in Solidarität auf die Straßen. Erst gestern kam eine solidarische Aktion aus Chile dazu: eine FAI-Zelle hat die Verantwortung für einen Bombenanschlag auf einen Chemiekonzern übernommen.

Anstehende Entscheidungen der Justiz

Falls am Donnerstag, den 1. Dezember das Gericht entscheiden wird, dass Alfredo Cospito in 41bis bleiben soll, dann bedeutete das für Jahre. 41bis ist Folter und zerstört Menschen geistig sowie körperlich. Alfredo Cospito wird dieses Schicksal nicht ertragen müssen, denn er wird im Kampf gegen seine allmähliche Auslöschung wohl den Tod finden – oder er wird aus 41bis entlassen. Auch die Gerichtsentscheidung am 5. Dezember über die Frage seiner lebenslangen Haft ohne Entlassungsmöglichkeit wird entscheidend dafür sein, ob Alfredo Cospito seinen Hungerstreik fortführt oder ob er ihn an diesem Tag erfolgreich beendet.

Die vor uns liegende Woche ist also richtungsweisend. Sollte sich am 1. und 5. Dezember der Staat entscheiden, Cospito weiter zu foltern, dann entscheided sich der Kampf allein im Knast und auf der Straße.

Was hat der Kampf von Alfredo Cospito mit uns zu tun?

Italien ist historisch gesehen ein Experimentierfeld der Bekämpfung freiheitlicher Ideen. Schon die International Conference of Rome for the Social Defense Against Anarchists, kurz Anti-Anarchist Conference von 1898, war richtungsweisend für die Schaffung der modernen Repressionbehörden Interpol und Europol. Die Strategie der Spannung in den 1970er und 80er Jahren hat in keinem europäischen Land mehr Blut fließen lassen, als in Italien, wo faschistische und parastaatliche Kommandos hunderte von Menschen durch Bomben massakrierten. Die Täter wurden und werden vom Staat geschützt. Die aktuelle Verwendung der Anklage des politischen Massakers gegen Alfredo Cospito und Anna Beniamino wegen einem absolut unblutigen und zielgerichteten Bombenanschlag gegen eine Polizeischule zeigt die Ideologie der Repression. Sollte dieses Urteil am 5. Dezember bestätigt werden, bedeutet das Haft bis zum Lebensende. Damit und mit 41bis beschreitet der italienische Staat weiterhin den Weg des Terrors. 41bis wurde ursprünglich unter dem Vorwand des Anti-Mafia-Kampfes eingeführt. Cospito sitzt dort ausschließlich wegen seiner regen Kommunikation aus der Haft. Die ganze Repression fußt auf der Hypothese, dass jegliche Kommunikation zwischen Anarchistinnen bedeutet, dass diese eine Organisation darstellen – eine Organisation ähnlich der Mafia. Diese Hypothese gefällt natürlich jeder Polizei und Staatsanwaltschaft. Nicht von ungefähr wird auch in Deutschland der $ 129 immer freier ausgelegt – siehe im Fall der aktuell gemeinsam mit Lina verfolgten und angeklagten Antifas. Die italienische Art der Kriminalisierung, die zahlreichen Freiheitsstrafen gegen Anarchistinnen sind Terror gegen jede Organisierung und jeden Widerstand, der von unten kommt. Der Kampf Alfredo Cospitos gegen den 41bis und Knast bis zum Lebensende betrifft alle, die sich auch nur im entferntesten mit diesem Kampf identifizieren können.

Termine

Vom 28.11. bis 5.12. ist Aktionswoche:
https://athens.indymedia.org/post/1622074/

Am 5.12. findet in Berlin eine Versammlung statt, auf der es Infos und Einschätzungen zu den Gerichtsentscheidungen geben wird. Es soll diskutiert werden, wie wir auch hier mit der Entwicklung umgehen können. 19:00, NewYorck – Bethanien

Am TagX, an dem einer der drei Hungerstreikenden stirbt, ist am Abend um 19:00 das NewYorck im Bethanien (Berlin) Treffpunkt.

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