Klassenkampf von oben Razzia gegen Jungkommunisten

Mit Durchsuchungen und Verhaftungen geht die Staatsmacht gegen das »Kollektiv Zwickau« vor

Der sächsische Verfassungsschutz führt die Gruppe in der Kategorie »Dogmatische Linksextremisten« und schreibt auf seiner Homepage, sie bekenne sich »regelmäßig« zum Kommunismus. Am Dienstag früh ist die Polizei mit einer Razzia gegen das »Kollektiv Zwickau« vorgegangen – wie bei Repressionsmaßnahmen gegen linke Organisationen üblich, auf Grundlage des Paragraphen 129 StGB – Bildung krimineller Vereinigungen. In vier Bundesländern stürmten Polizeibeamte Wohnungen, wie das federführende Landeskriminalamt Sachsen mitteilte, und zwar »in den Bereichen Zwickau, Dresden, Leipzig, Saalfeld, Bremen und Hamburg«.

Gegen vier mutmaßliche Mitglieder der Gruppe, von denen zwei 22 Jahre alt sind, einer 33 sowie einer 36 Jahre alt ist, wurden laut Mitteilung Haftbefehle vollstreckt. Ein fünfter »Beschuldigter« im Alter von 20 Jahren sei festgenommen worden, weil er während der Durchsuchung einen Polizisten angegriffen habe. Laut Mitteilung ermitteln die Staatsanwaltschaft Dresden und das »Polizeiliche Terrorismus- und Extremismus-Abwehrzentrum« (PTAZ) des sächsischen LKA gegen insgesamt zwölf Personen im Alter von 18 bis 36 Jahren.

Den jungen Leuten wird vorgeworfen, »sich in Zwickau im Jahr 2022 zu einer politischen, kommunistischen Gruppe« zusammengeschlossen zu haben, »um regional und überregional gegen rechtsradikale und menschenfeindliche Strukturen vorzugehen«. Sie sollen sich »über Jahre hinweg verabredet haben, ihre Ziele durch Begehung von Straftaten, insbesondere durch Körperverletzungsdelikte gegenüber politisch Andersdenkenden und Sachbeschädigungen, zu verwirklichen«. Die Bezeichnung »Kollektiv Zwickau« erklärt sich aus dem Umstand, dass der Schwerpunkt der Aktivitäten in der sächsischen Stadt liegt.

Gegenüber junge Welt erklärte am Dienstag Kay Anders, Pressesprecher des LKA Sachsen, gegen die Beschuldigten werde nicht nur wegen »Bildung einer kriminellen Vereinigung«, sondern wegen eines »Bündels von Straftaten« ermittelt. »Da geht es um Körperverletzungsdelikte, Sachbeschädigungen, da geht es um Landfriedensbruch«, sagte er. Laut MDR führt die für »linksextremistische Straftaten« zuständige »Soko LinX« die Ermittlungen. Dem Sender zufolge, wird dem »Kollektiv Zwickau« unter anderem vorgeworfen, im Sommer 2024 in einem Zwickauer Park mehrere Personen mit Teleskopschlagstöcken angegriffen und drei von ihnen verletzt zu haben.

Das »Kollektiv Zwickau« ist ein marxistisch-leninistisch orientierter Zusammenschluss und Teil des bundesweiten Bündnisses Rote Jugend Deutschland, das aus 30 bis 40 lokalen Gruppen besteht. Wie auf seinem Account bei Instagram hervorgeht, befasst sich das Kollektiv mit marxistisch-leninistischer Bildungsarbeit, nimmt an antifaschistischen Demonstrationen teil und solidarisiert sich mit den Freiheitskämpfen der Palästinenser und Kurden. Der sächsische Verfassungsschutz hält es für erwähnenswert, dass sich das Kollektiv mit »einschlägigen Symbolen« wie Hammer und Sichel, roten Fahnen, dem Gruß »Rotfront« und der geballten Faust zum Kommunismus bekenne.

Unter »Aktivitäten« der Gruppe listet der Inlandsgeheimdienst eine »Gedenkdemonstration für die Opfer des NSU« in Zwickau im November 2025 auf, an der sich »weitere Akteure aus dem Spektrum der gewaltorientierten dogmatischen Linksextremisten« beteiligt hätten. Mehrere Aktivisten hätten die Parole »ACAB« (All Cops are Bastards) skandiert. Aufgeführt wird vom Geheimdienst auch eine Demonstration in Schwarzenberg (Erzgebirgskreis) im Dezember 2025 unter dem Motto »Die Staatsmacht in die Schranken weisen«. Zahlreiche Personen seien da mit »szenetypischen roten Schlauchschals vermummt« gewesen und hätten »polizeifeindliche und gewaltverherrlichende Parolen« gerufen.

Von Kristian Stemmler junge Welt 4.11.26