Nachruf für Matthias Kramer

Nachruf für Matthias Kramer

Matthias Kramer unvergessen – er lebt in unseren Herzen und in unseren Kämpfen weiter!

Wir geben hiermit in tiefer Trauer bekannt, dasz unser Freund, Genosse und Weggefährte Matthias Kramer Anfang Dezember 2022 unerwartet und viel zu früh verstorben ist. Bereits in den vergangenen Jahren sah er sich mit gesundheitlichen Problemen konfrontiert. Er erlitt bereits einen Schlaganfall und Herzinfarkt. Sein kämpferischer Geist half ihm dabei, sich davon zu erholen und wieder auf die Beine zu kommen. Er setzte seinen politischen Kampf unermüdlich fort, bis zu diesem Tag, an dem sein Herz aufhörte zu schlagen.

Viele werden sich an Matthias erinnern können, sei es als kämpfender Genosse auf der Straße, bei Demonstrationen, Veranstaltungen und Versammlungen, oder als aktiver Bestandteil militanter Initiativen. Er war seit Jahrzehnten ein aktiver Genosse in verschiedenen politischen Strukturen in unterschiedlichen Städten der BRD und DDR. Zeit seines Lebens setzte er sich solidarisch und konsequent für die Kämpfe der Unterdrückten ein. Er engagierte sich für die Freiheit von sozialen und politischen Gefangenen und beteiligte sich an zahlreichen Kämpfen der ArbeiterInnen gegen Ausbeutung und Unterdrückung. Seit nunmehr zwei Jahrzehnten war Matthias in den Strukturen der revolutionären Linken in Magdeburg aktiv und fest verankert. In dieser Zeit haben wir mit ihm zusammen gegen das Unrecht dieser Welt gekämpft, uns gegenseitig gegen die Zwänge dieser kapitalistischen Gesellschaft zur Wehr gesetzt. Wir haben unser Brot geteilt, gemeinsam haben wir uns den schweren und strapaziösen Hürden des Lebens gestellt und zusammen haben wir schöne Zeiten und Momente genossenschaftlicher Liebe, Widerstand und Rebellion gelebt. Als streitbarer Genosse, kämpfender Kommunist, Internationalist, Schwulenbewegter und klassenbewußter Prolet hat er uns enorm bereichert. Matthias wird uns sehr fehlen! Sein Tod reißt eine riesige Lücke in unsere Reihen. Wir trauern um Matthias und wünschen seinen Weggefährten, seinen Angehörigen und alle die ihn kannten unser herzliches Beileid.

Ein Leben im Kampf – ein Revolutionär hat sich verabschiedet

Matthias Kramer ist am 9.11.1960 in Kirchheim unter Teck, einer Kleinstadt in Baden Württemberg, geboren und aufgewachsen. In den 1980er Jahren zog es ihn in die DDR, um am Aufbau des realsozialistischen Versuchs teilzuhaben. Er arbeitete als Bergmann und engagierte sich in der Partei und in sozialistischen Basisstrukturen. Im Jahr 1989 beteiligte er sich mit anderen KommunistInnen und AnarchistInnen an der Organisation der ersten Montagsdemos in Leipzig. Wie viele Linke dieser Zeit hoffte er den realexistierenden Sozialismus der DDR in Richtung mehr ArbeiterInnenmitbestimmung weiterzuentwickeln.

Nach der Annektierung der DDR durch den westdeutschen Imperialismus bewegte sich Matthias in Berlin in der HausbesetzerInnenbewegung und engagierte sich für die Freilassung der politischen Gefangenen aus der RAF.

Im Jahre 2003 durften wir Matthias persönlich kennen lernen. Er beteiligte sich als Prozessbesucher im damaligen § 129a- Verfahren gegen die sozialrevolutionäre Linke in Magdeburg. Durch seine solidarische Haltung und seine klaren Positionen lernten wir Matthias schnell zu schätzen und begannen zu verschiedenen Themen zusammenzuarbeiten. Zu diesem Zeitpunkt wohnte er in Halberstadt, wo er sich gegen die dortige Zast engagierte. Er versuchte mit den BewohnerInnen in Kontakt zu treten, die skandalösen Lebensbedingungen in der Zast anzuprangern und die Kämpfe der Geflüchteten zu unterstützen und zu stärken. Stellvertreterpolitik waren ihm fremd, er wollte sich direkt mit den Ausgebeuteten vernetzen und die Kämpfe für bessere Lebensbedingungen mit ihnen gemeinsam führen. In diesem Rahmen organisierte Matthias zahlreiche Aktivitäten wie z.B. Kundgebungen und Demos vor der Zast, vor dem Magdeburger Landtag oder ein Protestcamp vor dem Innenministerium gegen die Residenzpflicht. Zudem ging er auch mutig und entschlossen gegen die dortige Naziszene vor. Im Jahr 2005 organisierten wir gemeinsam eine antifaschistische Demonstration gegen den dortigen Naziladen „Ragnarök“. Auf die von ihm angeführte Demo mit vielen jüngeren AntifaschistInnen gab es im Vorfeld und währenddessen massive Angriffe von Faschisten und Bullen. Nur durch das konsequente Auftreten der Demo konnte ein Faschoangriff auf den dortigen soziokulturellen Treffpunkt „Zora“ zurückgeschlagen werden, während die Bullen zu schauten bzw. die AntifaschistInnen kriminalisierten.

Matthias wirkte von 2005 bis 2007 am Aufbau des Infoladens in der Zora in Halberstadt mit und stärkte mutig und entschlossen die Etablierung antifaschistischer Strukturen in der Region Ostharz. Er hat sich in zahllosen Situationen gerade gemacht und sich nicht weggeduckt.

Ab 2004 hielt er sich immer öfter bei den GenossInnen in Magdeburg auf, wo er 2007 auch endgültig hinzog. Ebenfalls 2007 entstand der Infoladen/soziales Zentrum Magdeburg, an dessen Aufbau er maßgeblich beteilgt war. Früh organsierte er dort Stadtteil- und BürgerInnenversammlungen. Matthias war im Netzwerk Freiheit für alle politischen Gefangenen organisiert, Gründungsmitglied von Zusammen kämpfen und engagierte sich bis zu seinem Tod in der Roten Hilfe. Darüberhinaus war er wichtiger Kader der kommunistischen Bewegung und jahrelanger Vorsitzender der DKP Magdeburg- Schönebeck und Sachsen- Anhalt. Matthias war ebenfalls maßgeblich an der Repolitisierung des 1.Mai in Magdeburg beteiligt. Zusammen mit ihm begannen wir im Jahr 2007 vor Ort wieder revolutionäre Demonstration zum ArbeiterInnen- Kampftag zu etablieren. Matthias war Bestandteil so gut wie aller antiimperialistischer, antifaschistischer, antirassistischer und sozialrevolutionärer Initiativen in unserer Stadt seit 2007.

Er hat seine Ideale und revolutionäre Haltung gepflegt und auch stets nach außen vertreten ohne dabei mit zweierlei Maß zu messen. Wir werden ihn als aufrichtigen Menschen mit großen Herzen in Erinnerung behalten, der uns leider viel zu früh verlassen hat. Seine Aufrichtigkeit und Konsequenz, sein Glaube an ein menschenwürdiges Leben und sein Kampf für die Revolution sind Ideale, die er uns vermacht hat. Diese Ideale und die Erinnerung an ihn werden wir in unseren Herzen und in unseren Kämpfen tragen.

Wir trauern um Matthias!

Rest in Power!

Der Kampf geht weiter!

Dezember 2022

Netzwerk Freiheit für alle politischen Gefangenen, Zusammen Kämpfen Magdeburg, Gefangenen Info, DKP Magdeburg– Schönebeck, Infoladen Stadtfeld, Stadtteilladen F52, Rote Hilfe Ortsgruppe Magdeburg, Roter Aufbau Burg, Revolutionärer Aufbau Schönebeck

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