Neue Schikanen in Heimsheim – Schreibt Findus!

Neue Schikanen in Heimsheim – Schreibt Findus!

Seit beinahe 1,5 Jahren sitzt unser Genosse Findus nun bereits für sein politisches Engagement hinter Gittern. Ende 2020 hatte das Amtsgericht Stuttgart ihn zu 2,5 Jahren Haft verurteilt. In dem Sammelverfahren ging es um insgesamt 10 Anklagepunkte, u.a. tätlicher Angriff, Körperverletzung und Beleidigung gegen „Vollstreckungsbeamte“ im Rahmen antifaschistischer Proteste, aber auch Hausfriedensbruch im Zuge einer Hausbesetzung. Findus machte in dem Verfahren deutlich, dass er zu seinem politischen Engagement und dessen Notwendigkeit steht und ließ sich auch dann nicht zu Distanzierungen oder Reuebekundungen hinreißen, als ihm dafür eine Bewährungsstrafe in Aussicht gestellt wurde.
 
Mit dieser aufrechten Haltung ging Findus im Juli 2021 in den Knast und war Wärter:innen, Stockwerks- und Anstaltsleitungen dort entsprechend schnell ein Dorn im Auge. Aus dem Knast heraus äußert er sich immer wieder zu aktuellen Themen. So schreibt er regelmäßig Grußworte für Demonstrationen oder an andere politische Gefangene. Und so machte er, der über die politischen Kontakte und damit über die Gelegenheit verfügte, beispielsweise den irrationalen und unmenschlichen Umgang mit Gefangenen während der Corona-Pandemie öffentlich. Und auch hinter den Mauern begreift er sich als politischer Akteur, führt Diskussionen mit Mitgefangenen, versucht einen solidarischen und kollektiven Umgang untereinander zu prägen und eine möglichst gemeinsame Front gegen die alltäglichen Schikanen des Knastapparates herzustellen. In diesem Sinne schloss er sich mit einem befristeten Hungerstreik der Forderung eines in Stammheim inhaftierten Gefangenen der kurdischen Freiheitsbewegung an, die dortige Zensur kurdischer Medien zu beenden.
 
 
 
Für diese Haltung und Praxis ist Findus auch immer wieder selbst Ziel von Angriffen und Schikanen seitens der Knastverantwortlichen, angefangen beim wiederholten Durchsuchen seiner Zelle, gravierenden Einschränkungen beim Erhalt von Büchern, Zeitschriften und Zeitungen und dem unmöglich machen einiger ihm zustehender Besuchstermine, bis hin zu mehrwöchiger „Absonderungs“- aka Isolationshaft. Dass Findus trotz alledem nach wie vor ungebrochen und weitgehend unbeeindruckt dem Knastsystem trotzt, scheint dieses ganz und gar nicht zu vertragen.
 
Generell wird bei der Post, die er erhält, und den Briefen, die er schreibt, penibel mitgelesen: In letzter Zeit werden dabei häufig politische Flyer und Texte konfisziert und auch einzelne Briefzeilen geschwärzt. Weiter wurde Findus untersagt, eine Zelle mit anderen Häftlingen zu teilen und er wurde entsprechend in eine Einzelzelle gesperrt. Hinzu kommen immer wieder über mehrere Tage oder Wochen anhaltende Repressalien, wie zum Beispiel das Verbot den Kraftraum zu nutzen.
 
Vor Kurzem erst durchsuchten Beamte in seiner Abwesenheit seine Zelle und beschlagnahmten alle angesammelten Briefe, inklusive der Korrespondenz mit seinem Anwalt. Anschließend sollte er sich zwanzig Briefe aussuchen, die er behalten dürfe. Dieser fragwürdigen Maßnahme widersetzte Findus sich lautstark, wofür ihm daraufhin die so genannte „Freizeit“ gestrichen wurde – eine Stunde am Abend, in der er kochen, telefonieren oder sich mit anderen Häftlingen seines Stockwerks treffen kann.
 
Die Begründung der jüngsten Maßnahmen ist die Übliche, die immer dann herhalten muss, wenn es nichts Konkretes gibt: Der politische Austausch mit Genoss:innen draußen schade der „Resozialisierung“ und Findus selbst sei eine „Gefahr für die Sicherheit und Ordnung“ der JVA. Was sich in Bezug auf politische Gefangene hinter diesen Floskeln verbirgt: Das System ‚Knast‘, das aktuell schärfste legale Mittel der Repression, droht mit seinem Ziel, die politische Persönlichkeit zu brechen, zu scheitern und dreht darum die Daumenschrauben weiter an.
 
Fassen wir die jüngsten Schikanen gegen Findus entsprechend als einen Akt der Verzweiflung einer sich die Zähne ausbeißenden Klassenjustiz auf! Und lassen wir sie gemeinsam weiter ins Leere laufen!
 
 
 
Findus und sein Anwalt haben Beschwerde gegen die jüngsten Maßnahmen eingelegt und waren damit insofern erfolgreich, als dass Findus‘ „Freizeitsperre“ seit Anfang der Woche wieder aufgehoben ist und er auch sämtliche entwendeten Briefe zurück erhalten hat.
 
Wir wollen diesen Erfolg aber nicht nur auf anwaltliche Interventionen bauen, sondern Findus zeigen, dass er auch und gerade im Angesicht von Druck und Schikanen hinter den Mauern nicht alleine ist – sondern Teil unseres gemeinsamen Kampfes für eine solidarischere Gesellschaft jenseits der kapitalistischen Ausbeutungs- und Unterdrückungsverhältnisse! Gleichzeitig wollen wir ein Zeichen an die JVA Verantwortlichen senden, dass jeder Angriff auf unsere inhaftierten Genoss:innen nur zu mehr Solidarität führen wird!
 
Darum: Schreibt dem Genossen! Genau jetzt, in der im Knast besonders tristen Vorweihnachtszeit! Ob kurze Postkarten oder ausführliche Briefe, jede Nachricht gibt Kraft! Versorgt ihn mit Infos über aktuelle Themen und Kämpfe: Im Großen, Internationalen, wie auch im Kleinen, Lokalen! Richtet euch nicht danach, was der Knast-Zensur schmecken könnte, sondern was ihr mitzuteilen habt und was Findus interessieren könnte! Legt Flyer, Broschüren und Texte bei, geht dabei im Inhalt eures Briefes auf deren Inhalt ein und vermerkt auf einem Deckblatt den unten angefügten „Eigentumsvorbehalt“.
 
Gemeinsam der Klassenjustiz trotzen!
 
Freiheit für Findus und alle anderen politischen Gefangenen!
 
‚How to’ Briefe an Findus:
https://antifaheisstzusammenstehen.wordpress.com

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