Tag der indigenen Völker : Leonard Peltiers Kampf geht weiter

USA: Ein Besuch bei dem indigenen Aktivisten und Bürgerrechtler anlässlich seines 82. Geburtstags
Von Michael Koch
Leonard Peltier wird auch in Zukunft auf Unterstützung angewiesen sein. Spenden können an den Tokata-LPSG Rhein-Main e. V. überwiesen werden. Die Kontonummer kann unter lpsgrheinmain@aol.com erfragt oder unter leonardpeltier.de gefunden werden.

Diesen Montag ist in den USA »Columbus Day«, eine Erinnerung an die Ankunft von Christoph Kolumbus 1492 auf amerikanischem Boden. Bei den Ureinwohnern in den Vereinigten Staaten wird der 12. Oktober allerdings als »Tag der indigenen Völker« begangen, um an die unermessliche Schuld zu erinnern, die europäische Eroberer und Siedler in den Amerikas auf sich geladen haben.

Einen Monat vorher, am 12. September, feierte der indigene Aktivist Leonard Peltier zum zweiten Mal nach mehr als 49 Jahren Haft in US-Hochsicherheitsgefängnissen Geburtstag. Und so froh und dankbar Peltier dafür ist, dass ihn der vorherige US-Präsident Joe Biden aus dem Gefängnis in den Hausarrest entlassen hat, so sehr stimmt er auch dem Slogan der deutschen Unterstützergruppe Tokata-LPSG Rhein-Main zu: »Out, but not free.«

Anlässlich von Peltiers 82. Geburtstag war der Autor dieses Artikels eingeladen, Peltier zu besuchen. Nach einem viertägigen Besuch im Sommer 2025 fand daher erneut ein dreitägiger Besuch in Peltiers Heimat in der Turtle Mountain Reservation im Bundesstaat North Dakota statt. Im Verlauf dieser drei Tage gab es ausreichend Zeit, über seine Gesundheits- und Hausarrestsituation, sein ungebrochenes politisches und soziales Engagement sowie die Notwendigkeit internationaler Solidarität mit indigenen Kämpfen zu reden.

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Die gesundheitliche Lage Peltiers ist nach wie vor geprägt von den Folgen medizinischer Unter- bzw. Nichtversorgung während seiner Haftzeit. Deutlich wird dies an der fortschreitenden Erblindung Peltiers, der bereits 80 Prozent seiner Sehfähigkeit verloren hat. Für den Maler und Künstler Peltier ist dies besonders schmerzlich, hatte er doch gehofft, sich nach der Haftentlassung wieder künstlerisch betätigen zu können und sein Wissen auch an junge Reservationsbewohner weitergeben zu können. Aktuell kommt hinzu, dass er aus bislang ungeklärten Gründen Blut verliert. Die Untersuchungskosten von mehr als 1.000 US-Dollar müsse er selbst tragen. Daher war er dankbar, dass wir ihm Spenden überreichen konnten, um ihn bei medizinischem und rechtlichem Bedarf zu unterstützen.

Auf dem Rechtsweg versucht Peltier, die vielen Verfahrensfehler und Ungerechtigkeiten erneut verhandeln zu lassen, ebenso die für seinen Hausarrest formulierten Restriktionen. So erhielt er am Abend vor seinem Geburtstag ein Antwortschreiben der Gefängnisbehörde Bureaus of Prisons (BOP) auf seinen Antrag, im Oktober 2026 in New York an einer Kunstvorstellung und Auktion seiner Bilder teilnehmen zu können. Das Schreiben des BOP enthielt so viele unsinnige und schikanöse Auflagen, dass Peltier seine Teilnahme an der Veranstaltung absagte. Entsprechend war die Stimmung am Morgen seines Geburtstags. Ob diese Restriktionen eine Reaktion auf sein ungebrochenes Engagement für indigene Angelegenheiten, Umweltschutz und Menschenrechte seien, vermochte Peltier nicht zu sagen. Doch wird es ihn nicht ausbremsen, sich auch in Zukunft in Politik und Gemeinwesen einzumischen.

Peltiers Positionierung zur gegenwärtigen US-Innen- und Außenpolitik wird dem BOP nicht entgangen sein. Doch auch jenseits der »großen Themen« engagiert sich Peltier. So entsteht auf seinem Grundstück mit Hilfe eines befreundeten Nachbarn eine kombinierte kleine Solar- und Windkraftanlage zur Deckung des eigenen Energiebedarfs. Und auch das Gemeinwesen hat er im Blick. So bat er wie bereits bei unserem Besuch im Vorjahr darum, entsprechendes Material für die Kinder in der Turtle Mountain Reservation mitzubringen, damit diese sinnvollen Freizeitbeschäftigungen nachgehen könnten. Dieser Bitte kamen wir natürlich gerne nach.

Leonard Peltier bedankte sich zum Abschluss des dreitägigen Besuchs erneut für die anhaltende Unterstützung aus Deutschland und die vielen Zeichen der Solidarität mit ihm und den Indigenen. Dabei unterstrich er seinen Wunsch, dass diese praktische Solidarität auch in Zukunft Bestand habe, denn, so Peltier: Die Kämpfe Indigener für Umwelt, soziale Belange und Menschenrechte sind Kämpfe für die Zukunft aller Menschen und nicht nur für die Zukunft Indigener.

junge Welt 12.10.