Übergriff von Wärtern und Disziplinarverfahren gegen Maja

Seit Ende Juni versuchen die Leitung und Beamten des Budapester Gefängnisses, in dem Maja festgehalten wird, Maja davon abzuhalten, sogenannte Frauenkleidung zu tragen. Die Schikanen eskalierten am 17. Juli 2026, als mehrere Beamte Maja in der Gefängniszelle überwältigten und leicht verletzten. Die Anstalt leitete anschließend ein Disziplinarverfahren gegen Maja ein, da Maja angeblich die Beamten angegriffen hätte. Das Verfahren läuft. Maja droht für drei Monate der Ausschluss von Freizeit- und Gemeinschaftsangeboten und damit die erneute komplette Isolation.

Seit Mai 2026 trug Maja in Haft öfter Rock und Kleid, die Maja in Kleidungspaketen von der Familie erhalten hatte. Ende Juni 2026 fand ein Gespräch mit der Gefängnisleitung statt in dem ohne weitere Begründung Majas beantragtes Anliegen am allgemeinen Hofgang teilzunehmen abgelehnt wurde. In diesem Zuge teilte der Sicherheitschef Maja mündlich mit, dass das Tragen von Frauenkleidung untersagt sei.

Maja trug weiterhin Rock und Kleid und andere angebliche Frauenkleidung. Einzelne Beamte versuchten, dies zu unterbinden, andere nicht. Am Ende setzte sich Maja durch und Maja konnte sich für kurze Zeit selbstbestimmt kleiden.

Anschließend begann die Anstalt, Besuche der Familie, des Anwalts, von Parlamentariern und des Pfarrers zum Anlass zu nehmen, Maja zu schikanieren: Maja sollte Leggins unter das knielange Kleid anziehen oder das Kleid in eine Hose stecken; bei einem Besuch machte ein Beamter ein Bild von Maja; die Beamten suchten Streit mit Maja und behaupteten, das Tragen von Frauenkleidung sei in einem Männerknast verboten. Am 13. Juli 2026 erklärte auch ein höherer Beamter Maja, dass Frauenkleidung verboten sei. Eine schriftliche oder juristische Begründung dafür wurde Maja nie vorgelegt.

Dann am 17. Juli 2026 betrat ein fünfköpfiges Kommando von Beamten Majas Zelle, darunter der Sicherheitschef und ein vermummter Beamter. Sie wollten die Zelle nach verbotenen Gegenständen durchsuchen. Maja forderte die Hausordnung in deutscher Sprache sowie ein Telefonat mit dem Anwalt und dem Konsulat. Die Beamten verweigerten all das. Maja trug zu dem Zeitpunkt Unterhose und Unterhemd und sollte sich etwas anziehen. Maja zog ein Kleid an. Die Beamten forderten Maja auf, etwas anderes anzuziehen. Maja verweigerte dies. Nach fünf Minuten Streit drohten sie Maja mit Zwangsmaßnahmen. Maja fragte nach einer rechtlichen Begründung, zwecklos. Auf einen Wink des Chefs vom Dienst warf der vermummte Beamte Maja zu Boden, mehrere Beamte knieten sich auf Maja, drückten den Kopf auf den Boden und legten Maja Handschellen an.

Unter Schmerzgriffen wurden Maja in einem Behandlungszimmer gebracht. Von diesem Moment an war auch der Anstaltsleiter anwesend. Die Ärztin stellte eine geplatzte Lippe und Schmerzen an der linken Stirn fest. Maja wurde für diese Untersuchung unter Zwang entkleidet. Das Kleid wurde weggenommen und stattdessen bekam Maja ein Polo-Shirt. An Verletzungen konstatierte Maja später selbst: eine geplatzte Lippe, eine Quetschung am Ohr, Schmerzen am linken Kiefer und an der linken Schläfe und starke Kopfschmerzen.

Nach diesem Übergriff entfernten die Beamten alle Frauenkleidung oder was sie dafür hielten aus Majas Zelle und brachten sie ins Lager. Ein Beamter informierte Maja später, dass ein Disziplinarverfahren gegen Maja eingeleitet werde, da Maja die Beamten angegriffen habe. Anschließend brachte ein sechsköpfiges, mit Maschinengewehr bewaffnetes Kommando Maja mit Handschellen, Gürtel und Fußfesseln gefesselt ins städtische Krankenhaus, wo Maja der Kopf geröntgt wurde.

Am 30. Juli und 4. August 2026 fanden zwei Anhörungen im Rahmen des Disziplinarverfahren statt, bei denen die fünf Beamten und Maja befragt wurde. Die Anstalt entschied, Maja für drei Monate von Freizeit- und Gemeinschaftsangeboten auszuschließen. Majas Anwälte legten gegen diese Entscheidung Beschwerde ein, die aufschiebende Wirkung hat.

Als Solikomitee für Maja betrachten wir diese Ereignisse als eine neue Stufe der Eskalation in der Auseinandersetzung um Majas Selbstbestimmung. Maja wird als nicht-binäre Person in einem Gefängnissystem festgehalten, das darauf beharrt, seine binäre Geschlechternorm durchzusetzen. Durch den alltäglichen und zunehmend unmittelbaren Widerstand gegen diese herrschende Normen ist Maja starker psychischer und nunmehr auch physischer Gewalt ausgesetzt. Dieser Vorfall zeigt ein weiteres Mal auf, dass Maja niemals nach Ungarn hätte ausgeliefert werden dürfen. Deutschland muss dafür Verantwortung übernehmen. Das Auswärtige Amt und die Botschaft hingegen machen lediglich falsche Versprechungen und glänzen durch Schweigen und Abwesenheit.

Maja schreibt zu der Sache: „Ich will darüber reden, da sie nicht aufhören, uns zu bevormunden, mit Regeln, Verboten und Anweisungen, zur Not mit Gewalt, wie heute. Wir können uns respektieren oder wir müssen darum kämpfen.“ Und weiter: „Ich wusste, dass es so kommt. Ich habe jeden Tag ausgekostet, an dem ich das Selbstbewusstsein fand, liebevoll und ehrlich zu mir selbst zu sein. Viele verunsichernde Blicke, dumme Kommentare, Schreien, Ignorieren – alles, weil ich das trug, was mir gefällt.“

Im Kampf um Selbstbestimmung und im Widerstand gegen die Geschlechternorm und gegen den Knast stehen wir an Majas Seite. Zeigt euch mit Maja solidarisch. Protestieren wir gegen das Disziplinarverfahren und den drohenden dreimonatigen Ausschluss von allen Freizeit- und Gemeinschaftsangeboten.

Solikomitee für Maja, 11. August 2026

Übergriff von Wärtern und Disziplinarverfahren gegen Maja
August 11, 2026 Keine Kommentare Allgemein, Maja
Seit Ende Juni versuchen die Leitung und Beamten des Budapester Gefängnisses, in dem Maja festgehalten wird, Maja davon abzuhalten, sogenannte Frauenkleidung zu tragen. Die Schikanen eskalierten am 17. Juli 2026, als mehrere Beamte Maja in der Gefängniszelle überwältigten und leicht verletzten. Die Anstalt leitete anschließend ein Disziplinarverfahren gegen Maja ein, da Maja angeblich die Beamten angegriffen hätte. Das Verfahren läuft. Maja droht für drei Monate der Ausschluss von Freizeit- und Gemeinschaftsangeboten und damit die erneute komplette Isolation.

Seit Mai 2026 trug Maja in Haft öfter Rock und Kleid, die Maja in Kleidungspaketen von der Familie erhalten hatte. Ende Juni 2026 fand ein Gespräch mit der Gefängnisleitung statt in dem ohne weitere Begründung Majas beantragtes Anliegen am allgemeinen Hofgang teilzunehmen abgelehnt wurde. In diesem Zuge teilte der Sicherheitschef Maja mündlich mit, dass das Tragen von Frauenkleidung untersagt sei.

Maja trug weiterhin Rock und Kleid und andere angebliche Frauenkleidung. Einzelne Beamte versuchten, dies zu unterbinden, andere nicht. Am Ende setzte sich Maja durch und Maja konnte sich für kurze Zeit selbstbestimmt kleiden.

Anschließend begann die Anstalt, Besuche der Familie, des Anwalts, von Parlamentariern und des Pfarrers zum Anlass zu nehmen, Maja zu schikanieren: Maja sollte Leggins unter das knielange Kleid anziehen oder das Kleid in eine Hose stecken; bei einem Besuch machte ein Beamter ein Bild von Maja; die Beamten suchten Streit mit Maja und behaupteten, das Tragen von Frauenkleidung sei in einem Männerknast verboten. Am 13. Juli 2026 erklärte auch ein höherer Beamter Maja, dass Frauenkleidung verboten sei. Eine schriftliche oder juristische Begründung dafür wurde Maja nie vorgelegt.

Dann am 17. Juli 2026 betrat ein fünfköpfiges Kommando von Beamten Majas Zelle, darunter der Sicherheitschef und ein vermummter Beamter. Sie wollten die Zelle nach verbotenen Gegenständen durchsuchen. Maja forderte die Hausordnung in deutscher Sprache sowie ein Telefonat mit dem Anwalt und dem Konsulat. Die Beamten verweigerten all das. Maja trug zu dem Zeitpunkt Unterhose und Unterhemd und sollte sich etwas anziehen. Maja zog ein Kleid an. Die Beamten forderten Maja auf, etwas anderes anzuziehen. Maja verweigerte dies. Nach fünf Minuten Streit drohten sie Maja mit Zwangsmaßnahmen. Maja fragte nach einer rechtlichen Begründung, zwecklos. Auf einen Wink des Chefs vom Dienst warf der vermummte Beamte Maja zu Boden, mehrere Beamte knieten sich auf Maja, drückten den Kopf auf den Boden und legten Maja Handschellen an.

Unter Schmerzgriffen wurden Maja in einem Behandlungszimmer gebracht. Von diesem Moment an war auch der Anstaltsleiter anwesend. Die Ärztin stellte eine geplatzte Lippe und Schmerzen an der linken Stirn fest. Maja wurde für diese Untersuchung unter Zwang entkleidet. Das Kleid wurde weggenommen und stattdessen bekam Maja ein Polo-Shirt. An Verletzungen konstatierte Maja später selbst: eine geplatzte Lippe, eine Quetschung am Ohr, Schmerzen am linken Kiefer und an der linken Schläfe und starke Kopfschmerzen.

Nach diesem Übergriff entfernten die Beamten alle Frauenkleidung oder was sie dafür hielten aus Majas Zelle und brachten sie ins Lager. Ein Beamter informierte Maja später, dass ein Disziplinarverfahren gegen Maja eingeleitet werde, da Maja die Beamten angegriffen habe. Anschließend brachte ein sechsköpfiges, mit Maschinengewehr bewaffnetes Kommando Maja mit Handschellen, Gürtel und Fußfesseln gefesselt ins städtische Krankenhaus, wo Maja der Kopf geröntgt wurde.

Am 30. Juli und 4. August 2026 fanden zwei Anhörungen im Rahmen des Disziplinarverfahren statt, bei denen die fünf Beamten und Maja befragt wurde. Die Anstalt entschied, Maja für drei Monate von Freizeit- und Gemeinschaftsangeboten auszuschließen. Majas Anwälte legten gegen diese Entscheidung Beschwerde ein, die aufschiebende Wirkung hat.

Als Solikomitee für Maja betrachten wir diese Ereignisse als eine neue Stufe der Eskalation in der Auseinandersetzung um Majas Selbstbestimmung. Maja wird als nicht-binäre Person in einem Gefängnissystem festgehalten, das darauf beharrt, seine binäre Geschlechternorm durchzusetzen. Durch den alltäglichen und zunehmend unmittelbaren Widerstand gegen diese herrschende Normen ist Maja starker psychischer und nunmehr auch physischer Gewalt ausgesetzt. Dieser Vorfall zeigt ein weiteres Mal auf, dass Maja niemals nach Ungarn hätte ausgeliefert werden dürfen. Deutschland muss dafür Verantwortung übernehmen. Das Auswärtige Amt und die Botschaft hingegen machen lediglich falsche Versprechungen und glänzen durch Schweigen und Abwesenheit.

Maja schreibt zu der Sache: „Ich will darüber reden, da sie nicht aufhören, uns zu bevormunden, mit Regeln, Verboten und Anweisungen, zur Not mit Gewalt, wie heute. Wir können uns respektieren oder wir müssen darum kämpfen.“ Und weiter: „Ich wusste, dass es so kommt. Ich habe jeden Tag ausgekostet, an dem ich das Selbstbewusstsein fand, liebevoll und ehrlich zu mir selbst zu sein. Viele verunsichernde Blicke, dumme Kommentare, Schreien, Ignorieren – alles, weil ich das trug, was mir gefällt.“

Im Kampf um Selbstbestimmung und im Widerstand gegen die Geschlechternorm und gegen den Knast stehen wir an Majas Seite. Zeigt euch mit Maja solidarisch. Protestieren wir gegen das Disziplinarverfahren und den drohenden dreimonatigen Ausschluss von allen Freizeit- und Gemeinschaftsangeboten.

Solikomitee für Maja, 11. August 2026