Anhörung Mumia Abu-Jamal 18D

Anhörung Mumia Abu-Jamal 18D

Am 18. Dezember wurde Mumia Abu-Jamal, afroamerikanischer Journalist und politischer Gefangener in den USA, von einem Gericht in Pensylvania zu medizinischen Fragen angehört. Seine Anwälte hatten die Gefängnis-Behörden verklagt, weil sie Mumia die notwendige medizinische Behandlung verweigerten, nachdem bekannt geworden war, dass Mumia an einer schweren Hautkrankheit leidet, an Diabetes und an Hepatitis C.

Nachdem Mumias Klage in einer anderen Instanz abgelehnt worden war, war die Zulassung der Anhörung vom 18.12. eine kleine Überraschung. Denn der Druck der Polizei-Bruderschaft FOP und anderer ultrarechter Kreise gegen Reste einer unabhängigen Justiz sind in den USA enorm. So war es die erste öffentliche Anhörung von Mumia seit seinem Verfahren vor 34 Jahren. Selbst bei den jahrelangen Klageinstanzen, die schließlich zur Umwandlung seiner Todesstrafe führte, war er nie persönlich gehört worden.

Die Anhörung vom 18D fand in Scranton/Pensylvania statt, 63 Meilen vom Frackville-Gefängnis entfernt, in dem Mumia eingesperrt ist. Mumia Abu-Jamal war per Video-Konferenz zugeschaltet. Außerhalb des Gerichtsgebäudes hatten sich um die 100 Personen eingefunden, die eine Kundgebung organisierten und im Wechsel zur Anhörung ins Gericht kamen.
Die Sitzung begann mit dem Antrag der Rechtsanwältin der Knastbehörde, die Mumia einen Verfahrensfehler vorwarf und die Sitzung gleich wieder schließen wollte. Obwohl offenbar tatsächlich eine Unregelmäßigkeit ausgemacht wurde, bestand der Richter auf der Durchführung, mit dem Argument eines Präzedenzfalls und dem Argument, dass „der Inhalt über der Form“ stehe.
Der Richter Robert Mariani began mit der Lesung von Teilen des Antrags, den Mumia gestellt hatte. Benannt wurden darin die lebensbedrohlichen Bedingungen, die Mumia erlitt als er am 30.März 2015 in die Notfall-Klinik eingeliefert werden musste. Danach war Mumia per Video an der Reihe. In ruhiger Manier schilderte er seinen körperlichen Zustand, zum Beispiel, dass er in den schlimmsten Momenten vom Kratzen offene Körperstellen hatte, die bluteten, und dass er einmal sogar das Bewusstsein verlor. Die gegnerische Anwältin argumentierte, Mumia ginge es nun besser, das sei auf die gute Behandlung durch die Knast-Ärzte zurückzuführen. Mumias Anhörung endete mit der Frage seines Anwalts, Bret Grote: „Würdest du eine Hepatitis-C-Behandlung akzeptieren?“ Mumia antwortete: „Ja, mit ihr kann ich leben, ohne sie könnte ich sterben“.

Die anwesenden Leute aus der Solidaritätsgruppe wechselten sich ab im Gericht und außerhalb. Vor dem Gebäude kam es zu einer Provokation, als ein ganz augenschienlich bewaffneter weißer Zivilist mit Presseausweis die Demonstrant/innen filmte. Flankiert wurde er von vier Polizisten, die sich an seiner Seite hielten. Mumias Freund/innen machten ebenfalls Fotos und entlarvten den Typen als polizei-unterstützten Provokateur.

Im Gericht wurde unterdessen Mumia Vertrauensarzt Dr. Joe Harris angehört. Der schilderte, wie die Hautprobleme, die Anemie und der niedrige Hämoglobin-Spiegel auf die Hepatitis zurückzuführen seien, die eine besondere Therapie erforderlich mache. Er stellte fest, dass Mumia zwar mit den härtesten Medikamenten auf dem Markt behandelt wurde, die er als „big guns“ bezeichnete, die jedoch zu keiner wirklichen Verbesserung geführt hätten. Die Hepatitis sei eine fortschreitende Krankheit, die die Leber bedrohe und somit das Leben des Patienten.

Nach den Einlassungen des Arztes entschied der Richter, die Anhörung am 22.Dezember fortzusetzen und weitere Zeugen zu laden. Die Beobachter/innen sprachen nach Beendigung der Sitzung von einem wohlwollenden Klima im Gericht, den Richter eingeschlossen, nur die Knast-Anwältin falle aus dem Rahmen. Sie wiesen in ihrem Resümée darauf hin, dass es nicht allein um Mumia gehe, sondern um 10.000 weitere Gefangene, die ebenfalls an Hepatitis C litten, ausschließlich alle im Staat Pensylvania, und denen ebenfalls die Behandlung verweigert werde mit dem Argument der Kosten.
Am kommenden Dienstag 22.12.2015 geht die Anhörung in Scranton weiter.
108 Abgeordnete des Europa-Parlaments fordern eine angemessene medizinische Behandlung für Mumia Abu-Jamal

Rechtzeitig vor der richterlichen Anhörung für Mumia Abu-Jamal am 18.Dezember haben sich 108 Europa-Parlamentarier/innen mit einem Schreiben an Tom Wolf, den Gouverneur von Pennsylvania gewandt, in dem sie eine angemessene medizinische Behandlung fordern von der Hepatitis C, an der Mumia Abu-Jamal leidet.

Die Initiative geht aus von Patrick Le Hyaric, dem französischen Abgeordneten und Vize-Präsidenten der Konföderalen Fraktion der Vereinten Europäischen Linken / Nordischen Grünen Linken. Zuvor hatte Patrick Le Hyaric Mumia Abu-Jamal am 12.November im Gefängnis in Frackville besucht, zusammen mit einer Delegation der Bewegung für die Freilassung von Mumia “Libérons Mumia”.
Patrick Le Hyaric wandte sich mit seinem Schreiben direkt an den Gouverneur Tom Wolf und berichtete dabei von seinem Besuch im Gefängnis von Frackville. Er erwähnt, dass zum Beispiel der US-Staat New York allen Gefangenen, die an Hepatitis C leiden, die Möglichkeit einer effektiven Behandlung bietet. Des Weiteren informierte er den Gouverneur darüber, dass er die Information über den Zustand von Mumia Abu-Jamal an alle anderen Mitglieder des Europa-Parlaments weiter gegeben hat, sowie an die Abgeordneten des französischen Parlaments. Der Brief endet mit der Forderung nach einer angemessenen und wirksamen medizinischen Behandlung für Mumia Abu-Jamal.

Das Schreiben im Original auf Englisch und die Liste der Unterzeichner/innen:
http://www.mumia-hoerbuch.de/text/Support%20Letter%20for%20Mumia%20Abu%2…

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