Do: Unangemeldete Anti Knast Kundgebung an Silvester

Do: Unangemeldete Anti Knast Kundgebung an Silvester

Wie im letzten Jahr versammelten sich wieder Menschen zu einer unangemeldeten Antiknast-Kundgebung vor der JVA Dortmund. Im Gegensatz zu den meisten anderen Knästen, die als Isolationsbau konzipiert sind, ist in Dortmund ein direkter Kontakt mit den Gefangenen möglich. Im Hof stehend kann mensch direkt in einzelne Zellen hinein schauen und sich über Zurufen gut verständigen.

Wie im letzten Jahr auch reagierten viele Gefangene mit Zuspruch für die Kundgebung. So wurde der vorgetragene Redebeitrag immer wieder durch Zurufe von drinnen bestärkt. Ein Gefangener stimmte sogar selbst eine Parole an „Die Mauer muss weg!“. Mit deutlich mehr Feuerwerk als letztes Jahr ließen wir es ordentlich krachen. Der Innenhof der JVA war hell erleuchtet, was dann auch die Schließer-Bullen aufweckte, welche versuchten durch Zwischenrufe die Kommunikation zu unterbinden. Für uns ist es wichtig, dass Antiknast-Kampf nicht nur bedeutet alljährlich ritualisiert es an Silvester vor den Haftanstalten knallen zu lassen. Antiknast-Kritik muss elementarer Bestandteil linksradikaler und anarchistischer Arbeit werden. Deswegen begrüßten wir auch die Veranstaltungsreihe „No one will walk alone? Knast geht uns alle an!“ welche 2015 in Dortmund stattgefunden hat. „Unsere Veranstaltungsreihe zu Strafe und Knast will zum nach-, um- und weiterdenken anregen, wo uns fest angelernte Denkstrukturen beherrschen und die Frage nach Alternativen aufwerfen.“ Ein kleiner Schritt in die richtige Richtung.

Die Kundgebung verlief ohne Bullenstress. Aus der Ferne konnten wir sie noch anrücken sehen, was uns ein Lächeln auf die Lippen zauberte.

Unterstützt die Gefangenen, baut Brieffreundschaften auf, organisiert die Gefangenengewerkschaft, als reale Perspektive in den Knästen… bis alle Frei sind! Kein Gott, kein Staat, kein Knast, kein Heim!

Es folgt der vorgetragene Redebeitrag:

Freiheit für alle!

Hallo, herzlich willkommen und schön, dass ihr da seid!

Wir befinden uns hier vor den Toren der JVA Dortmund, wo im Moment ca. 400 Männer einsitzen. Ein weiteres Mal wollen wir den Jahreswechsel zum Anlass nehmen, aktiv an diejenigen zu denken, die das neue Jahr nicht in Freiheit mit Sekt, sondern in der Eintönigkeit drinnen begrüßen werden.

Knäste sind eine der widerlichsten Sanktionen, die sich die Maschinerie ausgedacht hat, um diejenigen zu disziplinieren, die nicht mitspielen, nicht nach der Mächtigen Pfeifen tanzen wollten oder konnten, oder einfach im großen Rennen um Verwertung und Verwertbarkeit hinten runter gefallen sind.

Eine unsolidarische Gesellschaft, die sich nirgends nur an den Bedürfnissen der Menschen orientiert, aus denen sie sich zusammensetzt, die lieber Abweichungen von der Norm bestraft, als die Einzelnen nach den Motiven ihres Handelns zu fragen. Die lieber eine absurde Mühe darauf verwendet, abzuschrecken und zu strafen, als soziale Missstände anzugehen, zeigt in der Institution Gefängnis eine ihrer ekelerregendsten Seiten.

Gerade hier in Dortmund, wo die große Mehrheit der Gefangenen nur kurze Haftstrafen absitzt, die in der Regel für sogenannte kleinere Verbrechen ausgesprochen werden, zeigt sich, in welchem Maße der Knast ein essenzieller Bestandteil des Bestehenden ist. Sei es als Aufbewahrungsort für diejenigen, die nicht mehr Teil der „normalen“ Welt sein dürfen, weil sie sich nicht an die Regeln der Mächtigen gehalten haben. Sei es als Mittel der Abschreckung für die anderen, die den Drang spüren, auf zu begehren, weil ihnen niemand ihren Bedürfnissen entsprechende Vorschläge macht und diese Welt ihnen keinerlei Raum lässt, zu leben, wie sie leben wollen.
Der Knast ist damit kein diffuses Gebilde, das uns vor Straftätern schützt, sondern ein Angriff auf unser aller Leben. Die Mauern, vor denen wir stehen, sind weder irgendwelche Mauern, noch schützen sie uns vor irgendetwas. Vielleicht sind sie viel eher ein weiteres Werkzeug der Macht, das uns von möglichen Gefährtinnen und Gefährten trennt. Die anders als wir hier draußen, weniger Glück hatten und beim Schwarzfahren oder Ladendiebstahl erwischt worden sind.

Wir grüßen die Menschen drinnen, die die Menschenfeindlichkeit und Skrupellosigkeit der herrschenden kapitalistischen Logik in ungleich unmittelbarer Intensität jeden Tag erleben müssen. Die der Willkür und den Schikanen der Bullen und Wärter ausgesetzt sind und die nicht selbst entscheiden können, wann sie vor die Tür gehen und wann nicht!

Wir hoffen, mit diesem kleinen Akt der Solidarität heute Abend einen Ausblick auf ein anderes Morgen zu geben. Auf eine Welt ohne Grenzen und Schranken, eine Welt ohne Knäste. Eine Welt, in der wir endlich selbst über unsere Leben bestimmen können!

Einige Anarchist*innen aus Dortmund

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