„Er wirft eine Decke auf den Boden und schreit, dass er mich noch einmal vergewaltigen wird.“

Vieles hat sich in den letzten zwei Jahren im Baskenland geändert. Von der Strategiediskussion über den Konfliktlösungsvorschlag, den Waffenstillstand der ETA und die Gründung der Partei ‚Sortu‘: die baskische Linke nutzt neue Mittel auf ihrem Weg zu Unabhängigkeit und Sozialismus. Die Repression des spanischen und französische Staats bleibt derweil unverändert aggressiv. Verbote von linken Organisationen und Parteien, Isolationshaft, systematisch eingesetzte Folter und Zerstreuung der Gefangenen sind nur einige düstere Beispiele. Im Folgenden veröffentlichen wir einen Erfahrungsbericht von Beatriz Etxebarria, der uns aus dem Baskenland zugesendet wurde. Sie schildert ihre Festnahme, die Überführung nach Madrid und die fünf Tage in Incomunicado-Haft und legt somit Zeugnis über die Ausmaße des aktuellen Konflikts im Baskenland ab.

Am 1. März 2011 brechen sie gegen 4.00 Uhr morgens gewaltsam die Tür auf. Sie packen mich am Haar und zerren mich in größter Eile ins Wohnzimmer. Ich bin in Unterwäsche und ich darf mich während der gesamten Durchsuchung nicht ankleiden. Gewaltsam drücken sie mich nieder und versuchen, mir auf dem Sofa die Handschellen anzulegen. Dass diese mir zu klein sind, macht sie rasend und ich höre sie sagen: „Du wirst schon sehen, wie es dir in den nächsten fünf Tagen ergehen wird“.

Während der Durchsuchung des Abstellraums wird mir etwas schwindelig. Sie fassen mich fest am Arm und fügen mir dadurch blaue Flecken zu. Dann werden mir Kabelbinder-Handschellen umgelegt, die sie immer fester zusammenziehen.

Beim Verlassen des Hauses verbieten sie mir, meinen Partner anzusehen oder gar mit ihm zu sprechen. […]

Ich werde zur Gerichtsmedizin in Bilbao gebracht, wo ich gründlich untersucht werde. Ich habe Druckstellen an den Handgelenken, angeschwollene Adern und ein paar Schürfwunden.

Danach setzen sie mich wieder in den Polizeiwagen und halten mir die Augen zu. Ich höre, wie sie davon reden, sich mit anderen Personen zu treffen.

Sie halten an. Ein Guardia Civil, den der Kommissar angerufen hatte, holt mich ab und führt mich zu einem anderen Fahrzeug. Der Kommissar beginnt, mich anzuschreien, dass ich zwei Optionen hätte: von Anfang an zu reden oder nicht. Ich bemerke, wie sie eine Tüte hervorholen und sie mir über die Hände stülpen. Während der gesamten Fahrt nach Madrid schlagen und bedrohen sie mich. Der andere Polizeibeamte, der noch dabei ist, versucht den Kommissar ‚zu besänftigen‘; er selbst bedroht mich jedoch auch. Bis nach Madrid stülpen sie mir zweimal die Tüte über den Kopf.

Auf der Polizeistation führt man mich in einen Raum, in dem ich Schreie anderer Inhaftierter höre. Sie setzen mich auf einen Stuhl und befeuchten mir die Hände, während ich Geräusche höre, die an Elektroden erinnern. Ich höre sie sagen, dass ich reden müsse und werde ausgezogen, bis ich ganz nackt bin. In diesem Zustand überschütten sie mich mit kaltem Wasser. Dreimal in Folge stülpen sie mir eine Plastiktüte über den Kopf und drohen mir mit der ‚Badewanne‘. Dann muss ich auf einer Art Hocker auf allen Vieren knien. Sie schmieren meine Vagina und meinen Anus mit Vaseline ein und führen mir ein Objekt ein. Danach werde ich in eine Decke gewickelt; man zerrt an mir, schüttelt und schlägt mich.

Ich werde in die Zelle gebracht und am Morgen einem Arzt vorgeführt. Ich berichte ihm von den Geschehnissen: seine Reaktion ist unerträglich; er zieht meine Worte in Zweifel.

Man bringt mich zurück in die Zelle, wo ich versuche, etwas ‚auszuruhen‘. Nach einer Weile kommt ein Beamter, führt mich in einen Raum und beginnt, mich auszuziehen. Er zieht mich am Haar, schlägt mich auf den Kopf und schreit mir ins Ohr, dass er Militär und auf’s Töten trainiert sei. Außerdem höre ich ihn brüllen: „Ich werde dich innerlich zerstören, damit du keine kleinen ETA-Terroristen bekommen kannst“.

Wieder bringen sie mich in die Zelle und danach zur Krankenstation. Diesmal erzähle ich dem Arzt nichts, da er beim letzten Mal meine Aussagen über die erfahrende Folter angezweifelt hat.

Während der Verhöre sind immer viele Personen anwesend. Einmal zähle ich sieben Stimmen. Die ganze Zeit über erwähnen sie immer wieder meinen Freund, der, wie ich höre, im Nebenraum ebenfalls gefoltert wird. Sie drohen mir auch, meinen Bruder sowie meine Eltern festzunehmen und meine Großmutter „im Schlüpfer herzubringen und sie zu ficken“.

Am vorletzten Tag der Incomunicado-Haft werde ich erneut vom Kommissar entkleidet. Er wirft eine Decke auf den Boden und schreit, dass er mich noch einmal vergewaltigen wird. Ich habe das Gefühl, dass er sich auszieht; höre, dass er seinen Gürtel ablegt. In dem Moment versucht der, den sie ‚Garmendía‘ nennen, den Kommissar zu beruhigen und zieht ihn aus dem Raum. Ich höre sie reden. Garmendía kommt zu mir und fordert mich auf, ihm zu versprechen, dass ich aussage.

Am letzten Tag habe ich sechs Verhöre. Um 5.40 Uhr sage ich das zweite Mal aus. Danach ziehen sie mich nicht mehr aus und behandeln mich weniger aggressiv. Ich werde sogar gefragt, ob ich meinen Freund sehen wolle.

Während der gesamten Zeit in Incomunicado-Haft, außer vor dem Arzt, sind mir die Augen mit unterschiedlichen Masken verbunden. Es gibt eine aus Latex, die mit einer Art Pulver bestäubt ist. Von dieser sagen sie, dass sie blind mache, sobald ich die Augen öffnete. Tatsächlich merke ich, dass mir eine Weile die Augen brennen, als sie mir die Maske abnehmen.

Die Drohungen hören bis zur Überführung in die Audiencia Nacional nicht auf. Im Polizeiwagen sitzt der Kommissar neben mir und sagt mir, dass ich meine Aussage vor dem Richter bestätigen müsse.

Vor dem Richter ziehe ich meine Aussagen zurück und erkläre, gefoltert worden zu sein.

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