[No Tav] Die beglückende Erfüllung eines ernsten Versprechens

[No Tav] Die beglückende Erfüllung eines ernsten Versprechens

Seit sechs Monaten befinden sich vier No Tav Aktivisten in Isolationshaft, weil ihnen die Begehung einer terroristischen Tat vorgeworfen wird. Vorwand ist ein Sabotageakt, bei dem vor genau einem Jahr im norditalienischen Susa Tal auf der Baustelle für einen Stollen zu geognostischen Untersuchungszwecken im Rahmen der Studienphase zum umstrittenen Bau der Hochgeschwindigkeitsbahnstrecke (tav) Turin-Lyon ein Kompressor beschädigt wurde. Im Vorfeld des Prozessbeginns am 22. Mai kamen tausende Bewohner des Susatals, einfache Bürger Turins, Aktivisten der sozialen Kämpfe in ganz Italien und solidarische Kulturschaffende zu einem politisch überaus Kraftvollen Protest in Turin zusammen. Drei Artikel aus Turin dokumentieren in der Folge den Tag

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Ein großer und schöner notav Tag
?In einem surrealen Klima haben wir heute eine der schönsten und wichtigsten notav Demonstrationen außerhalb von unserem Tal gemacht. Zehntausende Männer und Frauen demonstrierten heute in einem über alle Maße abgeriegelten Turin – mehrere Hundert Ordnungskräfte, die selbst die Müllkörbe überwachten, Jersey-Zäune, die den Justizpalst abschirmten und eine uferlose Zurschaustellung von Männern und Einsatzgerät.
Wir hatten es gesagt und wie immer haben wir es getan. Die heutige Demonstration ist eine Demonstration für Alle gewesen, eine Demonstration von Allen und eine Demonstration in Solidarität mit Claudio, Chiara, Mattia und Niccolò, für alle, die anhängige Verfahren haben (über 1000) und gegen den Tatbestand des Terrorismus.
?Wie immer wurde die Spannung nach allen Regeln der Kunst in den zwei Tagen vor der Demonstration erhöht, die Demonstration hat sich um nichts und niemand geschert und nur an ihr Ziel gedacht, dem Ziel, den sie sich gesetzt hatte, den man alle gemeinsam in den Assemblee (Versammlungen) beschlossen hatte.
?So ist es auch gewesen, Meter um Meter hat die Demonstration mit Freude und Entschlossenheit ihren Marsch durchgeführt und mit der Stadtgesprochen, die einen hinsichtlich der Anteilnahme einen Bedeutenden Beitrag geleistet hat, den Verboten, der geschlossenen U-Bahn und den umgeleiteten Bussen zum Trotz. Wie immer muss man das Herz über das Hindernis hinauswerfen, so haben wir die Piazza Castello gefüllt und unsere Motive, die Solidarität der Verhafteten, die Würde ihrer Mütter und das Programm für unsere Zukunft laut herausgeschrien: wir werden den Kampf fortsetzen, widerständig, angstfrei, mutig und mit der Vernunft auf unserer Seite.
?Ergreifend die Redebeiträge der Mütter von Mattia und Niccoló, wie auch der von Haidi Giuliani.
?In den Abendstunden lesen wir folgende Mitteilung der Polizia di Stato, die Worte der Anerkennung des Polizeichefs verlauten lässt:
?“Aufgrund der anlässlich der landesweiten No Tav Demonstration in Turin geleisteten Dienste der öffentlichen Sicherheit und Ordnung hat der Polizeichef seine Anerkennung für die bewiesene Besonnenheit und Professionalität persönlich zum Ausdruck bringen wollen, in dem er sich mit den Kräften im Einsatz direkt über Funk kurzschloss“
?Übersetzt heißt das: Danke, dass ihr nicht gestürmt habt, was zeigt, wer die Spannung auf No Tav Demonstrationen erzeugt. Das ganze Aufgebot, das wir heute gesehen haben war gänzlich unangemessen und schlicht der Ausdruck eines Muskelspiels derer, die die Interessen der Tav-Lobby vertreten.
?Wir bekräftigen es: Die No Tav Bewegung tut, was sie sagt.
?Wir waren vielleicht 20000, vielleicht 30000. So wichtig ist das nicht. Wir sind alle des Widerstands schuldig und wir sind genug, um ein weiteres Mal, wie wir es auf der Demonstration getan haben: Das Susa Tal ruft es laut, dass es keine Angst hat. Auf den Barrikaden weht die Fahne der No Tav!
?Freiheit für Chiara, Claudio, Mattia und Niccoló! Freiheit für Alle!
 
?Über zwanzigtausend Gründe, um Chiara, Claudio, Mattia und Niccolò zu befreien
Ein großer No Tav Tag, der weder die Erwartungen noch die Versprechen der Bewegung aus den letzten Tagen verraten hat, ist das, was soeben in den Straßen Turins zu Ende ging.
?Über zwanzigtausend Leute haben die Demonstration belebt, die von der Piazza Adriano gestartet war und durch die Stadt zog, bis sie das Herz der Turiner Innenstadt erreichte. Den zahlreichen Provokationen zum Trotz und den verlangsamenden Maßnahmen, die von der Polizei ausgespielt wurden (Streichungen von Fernzügen, Festsetungen von Bussen, Identifikationsaufforderungen), bewegte sich die Demonstration gegen 15 Uhr 30. Der Blick auf das Gesamtbild offenbarte von Anfang an die sehr große Beteiligung. Rund herum, ein vom so gigantischen wie würdelosen Aufgebot des Polizeipräsidiums erzeugtes, trostloses Szenario: Gitterwände, Jersey-Zäune, Hubschrauber. Das Ganze um einen vollständig leeren, weil schon am Vormittag geräumten Justizpalast abzuschirmen. Das bohrende, unisono von den nach der nächsten Gelegenheit, die No Tav als public enemy auf die Titelseiten zu knallen lechzenden Mainstream-Medien bereits seit Tagen angestimmte Refrain hielt wegen dem üblichen Schwarm von Schreiberlingen auf der Jagd nach irgendeiner der Bewegung des durchkreuzten Zuges anlastbaren Schuld oder Verantwortlichkeit, und sei es nur die Anbringung irgendwelcher Plakate oder die „Unannehmlichkeiten“ für die Touristen, auch während der Demonstration angedauert (letzteres – die „Unannehmlichkeiten“ für die Touristen – waren allerdings der überaus beengenden Militarisierung geschuldet, die vollständig die gesamte Rote der Demonstration umgab, und nicht der Demonstration als solche!
?Einmal mehr hat die No Tav Bewegung aber das getan, was sie angekündigt hatte, und mit Gelassenheit eine weitere Etappe diesen langen Kampfes aufgebaut. Es war Allen klar, dass es die hinter den Gittern zur Verteidigung eines Leeren Gerichtsgebäudes verbarrikadierten 1600 Männer der Ordnungskräfte waren, die heute im Käfig saßen und nicht der unendlich lange Demonstrationszug, der sich durch die Straßen Turins bewegte und Chiara, Claudio, Mattia und Niccolò, Paolo und Forgi und alle andere Aktivisten, denen die Möglichkeit genommen ist, auf der Straße zu sein, aber trotzdem Teil einer großen und vielfältig zusammengesetztenDemonstration waren, mit sich trugen.
Das Wesen dessen, was der No Tav Kampf gegenwärrtig darstellt, war an der Beteiligung selbst abzulesen, welche die von einem Transparent mit der Losung: „Wir sind alle des Widerstands schuldig“ und von den Angehörigen der vier Verhafteten Demonstration eröffnet wurde belebte: viele Talbewohner, aber auch, zum x-ten Beweis der Tatsache, dass die Grenzen diesen Kampfes inzwischen weit größer sind als die des Susa Tals, tausende Menschen, die von ganz Italien gekommen waren, Schriftsteller, Schauspieler, Schüler und Jugendliche, Hausbesetzer und Bewegungen für das Recht auf Wohnen, Kampfzusammenhänge, die von Nord bis Süd gegen die Zerstörung der Territorien kämpfen und für die Verteidigung der gemeinschaftlichen Güter. Vor allen Dingen aber, viele einfache Turiner Bürger, die heute im No Tav Kampf eine Opzion zur Befreiung von der Krise und von dem auf Verschuldung, Spekulationen und Major events gestützten Systems Stadt erkennen, als eine konkrete und gute Alternative auf eine Gegenwart, die aus Elend und Verarmung besteht und auf ein räuberisches und zerstörerisches Entwicklungsmodell.
?Eine extrem vielfältig zusammengesetze Piazza, die jedoch auf kompakte Weise die Praxis der Sabotage angenommen und behauptet hat und mit einer Stimme die sofortige Freilassung von Chiara, Claudio, Mattia und Niccolò gefordert und den Terrorismusvorwurf mit Bestimmtheit zurückgewiesen hat. Die feierliche Art und Weise, wie der Endpunkt auf der Piazza Castello erreicht wurde, mit der laut „Liberi tutti“ rufenden Demonstration unter Beifall der Passanten gab den Grad der Bedeutung und des Erfolges des heutigen Tages wieder. Auf dem brechend vollen Platz folgten extrem viele Redebeiträge aufeinander, als das Demonstrationsende noch unterwegs war, um den Endpunkt zu ereichen.
?Zahlreich warehn auch die Termine, die von der Demonstration lanciert wurden, um den Kampf fortzusetzen: am 13. Mai im Susa Tal, ein Jahr nach den Ereignissen, wegen denen Chiara, Claudio, Mattia und Niccolò unter Anklage stehen, um ironisch des „Todes des Kompressors“ zu gedenken, am 15. Mai vor dem Kassationsgericht im Rom, wenn das Gericht sich zum Terrorismusvorwurf äußern wird und am 22. vor dem Gerichtshof in Turin am Tag des Prozessbeginns. Weiter hinausschauend wurde jedoch auch mit Nachdruck an das Versprechen erinnert, in den kommenden Wochen gemeinsam den Protest anlässlich des europäischen Gipfeltreffens über die Jugendarbeitslosigkeit am 11. Juli in Turin aufzubauen.
?Es wird hart werden… Liberi tutti!
 
Die Piazza der no tav macht es einem warm ums Herz
?Ein politischer Erfolg!
?Schwer, das Ergebnis dieses neuen Kampftags der No Tav Bewegung anders zu bewerten, und vielleicht nicht nur der No Tav Bewegung, wenn es stimmt, dass dieser Kampf heute alle Kampfinstanzen und Alteritäten gegenüber ein System verkörpert, das nur noch aus Großprojekten, großer Korruption, der Abwesenheit von Zukunft und falschen Versprechen besteht.
?Die Wette war so wichtig wie gewagt: über die Grenzen des Tals hinweg zu einer schwierigen Thematik mobilisieren, der Verteidigung von vier jungen Leuten aus der Bewegung im Angesicht eines unsinnigen Terrorismusvorwurfs, ohne von der Praxis der Sabotage Abstand zu nehmen, sondern diese vielmehr zu behaupten.
?Der Erfolg ergibt sich aus den über 20000 Menschen, die im Bewusstsein der Bedeutung ihres tuns auf die Straße gegangen sind. Die Größe des Tages liegt in den Zahlen und in der heterogenen Zusammensetzung, die breit und differenziert war und in der die militanten Komponenenten nur eine Minderheit darstellen. Die No Tav Bewegung und Dutzende Genossen und Genossinnen haben einen Tag aufgebaut, der von einer signifikanten Repräsentanz dessen, was der aktive und bewusste Teil des heutigen Italiens ist ausgefüllt wurde. Ein Zeichen dafür, dass kämpferische Komponenten und kohärente Bewegungen in der Lage sind, beträchtliche Zahlen zu bewegen, eine Agenda vorzuschlagen und Subjekte zu sein, die mehr Anerkennung finden, als die institutionelle Rede.
?Die Gegenseite hat Alles gegeben: verschärfte Kriminalisierung, Panikmache, Gitter, Sicherheitssysteme und Einrichtung einer Roten Zone, die einen sensiblen Teil der Stadt innerhalb des Gerichtsgebäudes, des neuen Sitzes der Regionalverwaltung und des neuen Bahnhofs Porta Susa beschlagnahmte. Medialer Terrorismus auf vollen Touren, Hubschrauber und Militarisierung des Territoriums schon seit den letzten Tagen. Von Piazza Adriano nach Corso Francia ziehen bedeutete, eine vom Polizeipräsidium und den Medien zu einer Einöde gemachten Stadt zu durchqueren. Erst danach begann man, der Stadt zu begegnen, die zusah, Beifall klatschte, und eine Demonstration, die Bereits eine große Beteiligung erfuhr, zusätzlich verstärkte.
?Die Stadt Turin hat sich heute gut bewährt, sie hat bei der Unterstützung eines so harten wie sakrosankten Kampfes Gesicht gezeigt. Ein Zeichen dafür, dass die Ausdauer und die Entschlossenheit eines über zwanzigjährigen Kampfes beginnen, wiederkannt zu werden; und ein Zeichen, vielleicht, dass die Piazza am 1. Mai und die Polizeigewalt viele motiviert haben, wieder auf die Straße zu gehen, um zu sagen, dass die Dinge so nicht vweiterlaufen können. Schöne, entschlossene und bedutende Delegationen von außerhalb waren mit dabei: Mailand, Genua, Bologna, Toskana, Rom…
?Es ist ein Tag gewesen, dass es einem warm ums Herz wird, ein Tag, der Überzeugungen festigt und neue Sprünge nach vorn angehen lässt. Es ist eine Demonstration der Würde und des Stolzes gewesen, gegen jene, die uns den Kopf senken lassen wollen und verlangen, dass wir eine Welt akzeptieren, deren einziges Motto das thatscher’sche there is no alternative und das „wir müssen wettbewerbfähig sein“ renzi’scher Innovation zu sein scheint. Heute haben die No Tav Bewegung, viele Aktivisten und eine würdige stadt einmal mehr bewiesen, dass man etwas Anderes sein kann und muss!
?Ein weiteres Mal gegen die konstituierten Mächte. Das Polizeipräsidium hat von 2000 Personen gesprochen. Wie ekelhaft. und wie mutig! Wir halten die Worte der Mutter von Niccoló fest: „Ich bin stolz, die Mutter meines Sohnes zu sein, ich bin stolz, Teil Eurer Geschichte zu sein!“
Es gibt nichts weiteres zu sagen… wir bereiten und darauf vor, Chiara, Mattia Niccolò und Claudio mit Blick auf den Prozessbeginn Mut zu machen. Was uns betrifft, stürzen wir uns mit der Gewissheit, dass wir viele Genossen und Genossinnen an unserer Seite haben, in ein neues Abenteuer, um die Beteiligung an den Protest anlässlich des europäischen Gipfeltreffens über die Jugendarbeitslosigkeit am kommenden 11. Juli aufzubauen.
#civediamolundici

 

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