„Halim Dener – gefoltert. geflüchtet. verboten. erschossen.“

„Halim Dener – gefoltert. geflüchtet. verboten. erschossen.“

Vor 20 Jahren wurde Halim Dener von einem deutschen Polizisten in Hannover erschossen. Wir erinnern an die Ereignisse der Jahre 1993/94 und stellen sie in einen Kontext mit der heutigen Situation in Kurdistan und der BRD.

Kommt zur bundesweiten Demonstration
21.06.2014 | 14.00 Uhr
Hannover | Steintor

gefoltert.
Der 16-jährige Kurde Halim Dener musste 1994 vor der Verfolgung durch den Staat Türkei aus seiner Heimat fliehen. Damals zerstörte das türkische Militär 4.000 Dörfer – so auch Halims Dorf in der Nähe von Çewlik (türk.: Bingöl). 17.000 „Morde unbekannter Täter“, Verschwundene und Folter waren die gängige Praxis von Polizei, Geheimdienst und Paramilitärs. Halim selbst wurde nach einer Festnahme von der türkischen Polizei eine Woche lang verhört und gefoltert. Aktuell wird über einen Friedensprozess debattiert, doch hat sich die Situation kurdischer Jugendlicher in  türkischen Gefängnissen nicht grundlegend geändert: Gewalt, Folter und sexuelle Übergriffe stehen nach wie vor auf der Tagesordnung. Und auch auf der Straße werden weiterhin Jugendliche in Auseinandersetzungen mit der Polizei getötet. In den deutschen Medien wird der Kurdistan- Konflikt weitgehend verschwiegen. Die BRD ist jedoch durch die Bekämpfung der kurdischen Bewegung sowie Waffenlieferungen und militärische Zusammenarbeit im Rahmen der NATO-Partnerschaft selbst aktiver Teil des Kurdistan-Konflikts.

geflüchtet.
Halim flüchtete vor Krieg und Verfolgung unter falschem Namen, um seine Familie in der Heimat nicht zu gefährden. Als minderjähriger, unbegleiteter Flüchtling kam er in die BRD. Hier war nach öffentlicher rassistischer Hetze und Pogromen an Flüchtlingen und Migrant*innen 1993 das Grundrecht auf Asyl durch Änderung des Grundgesetzes faktisch abgeschafft worden. Infolgedessen sank die Quote der Anerkennung auf Asyl von damals bereits geringen 4,3% auf 0,8% im Jahr 2006. Heute fliehen Menschen aus den Konfliktzonen, wie z.B.  Syrien oder Libyen, um in Europa ihr Leben in Sicherheit weiterführen zu können. Darunter sind viele Minderjährige, die teilweise ohne  Familienanschluss die gefährliche Flucht auf sich nehmen. Flüchtlingen und Migrant*innen schlägt immer wieder, auch von Seiten der  Behörden, blanker Rassismus entgegen.

verboten.
Im November 1993 wurde nach einer beispiellosen Hetzkampagne gegen die kurdische Bevölkerung in der BRD die Arbeiterpartei  Kurdistans (PKK) und alle ihr nahestehenden Organisationen als „Terrororganisation“ verboten. Es folgte eine Welle von Durchsuchungen  und Verhaftungen. Durch öffentliche Hetze gegen Kurd*innen wurde ein Klima von Hass und Angst geschaffen, das von einer simplen  Gleichung bestimmt war: „Kurd*innen = PKK = Terrorist*innen“. Das Verbot hat nach wie vor Bestand und findet rege Anwendung. So trifft  die Repression kurdische Kulturvereine und öffentliche Strukturen der kurdischen Bewegung, insbesondere aber kurdische Jugendliche  und Aktivist*innen, die sie sich mit der Bewegung identifizieren und politisch engagieren.

erschossen.
Auch in der BRD setzte sich Halim für die kurdische Bewegung ein. So plakatierte er wenige Wochen nach seiner Flucht in Hannover Plakate mit dem Emblem der ERNK, des (damaligen) politischen Arms der PKK. Dabei wurde Halim in der Nacht vom 30.06.1994 von SEK-Polizisten in Zivil überrascht und ihm bei der Festnahme aus kürzester Entfernung in den Rücken geschossen. An dieser  Schussverletzung starb Halim wenig später. Der Polizist wurde von seinen Kolleg*innen gedeckt, sodass die Tat nie angemessen  aufgeklärt werden konnte. In einem drei Jahre dauernden, zweifelhaften Prozess wurde er schließlich freigesprochen. Diese Tötung durch  Polizist*innen ist kein Einzelfall; Christy Schwundeck, Oury Jalloh oder Achidi John sind weitere bekannte Opfer. Auch Polizeigewalt, die  gedeckt und vertuscht wird, sowie Kontrollen nach dem sogenannten „Racial Profiling“ sind an der Tagesordnung. Halim Dener  repräsentiert in seiner Person viele verschiedene Kämpfe, die hier in der BRD und auf der Welt geführt werden – der Kurdistan-Konflikt, die  Frage von Krieg und Flucht, Repression linker Ideen und Organisationen sowie (rassistische) Polizeigewalt. Halims Geschichte und Tod  sind kein Einzelfall!

Deshalb fordern wir:
• Schluss der militärischen Zusammenarbeit der BRD mit der Türkei!
• Ende des Exports deutscher Waffen!
• Bleiberecht für Alle!
• Weg mit dem PKK-Verbot!
• Lückenlose Aufklärung rassistischer Polizeigewalt!

Kampagne Halim Dener
Blog: http://halimdener.blogsport.eu
Kontakt: halim.dener@riseup.net

Bundesweite Demonstration
21.06.2014 | 14.00 Uhr
Hannover | Steintor

Zur Demo rufen auf:
YXK – Verband der Studierenden aus Kurdistan e.V. | Ciwanên Azad | Rote Hilfe e.V., Göttingen | Interventionistische Linke Hannover (iL Hannover) | seered!, Düsseldorf | Antifaschistische Linke International (A.L.I.), Göttingen | ATES.H – für eine sozialrevolutionäre  Perspektive, Hamburg | Kampagne TATORT Kurdistan | Antifaschistische Offensive Leipzig (AOLe) | Gruppe Subvertere, Kiel

… weitere Unterstützer*innen werden auf dem Blog veröffentlicht.

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