In Nordsyrien verschleppte Journalistin nach Damaskus verlegt

Die vom syrischen Übergangsregime verschleppte deutsche Journalistin Eva Maria Michelmann ist nach Damaskus verlegt worden. Ihre Familie fordert ihre umgehende Freilassung und richtet scharfe Kritik an die Bundesregierung.

Die von der syrischen Übergangsregierung festgehaltene Journalistin Eva Maria Michelmann ist in ein Gefängnis in Damaskus verlegt worden. Das teilte ihr Bruder Antonius Michelmann am Donnerstag unter Berufung auf Informationen des Auswärtigen Amts mit. Demnach wurde sie dort erstmals von der deutschen Botschaft in Begleitung von syrischem Sicherheitspersonal besucht.

Michelmann war Anfang des Jahres im Zuge der syrischen Offensive gegen die Demokratische Selbstverwaltung von Nord- und Ostsyrien (DAANES) in Raqqa gemeinsam mit ihrem kurdischen Kollegen Ahmed Polad (bürgerlich Mehmet Nizam Aslan) verschleppt worden. Über ihren Aufenthaltsort bestand lange Zeit Ungewissheit. Erst vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass sie und Polad in einem Gefängnis in Aleppo festgehalten wurden.

Isolation und Sorge um den Gesundheitszustand

Nach Angaben der Familie befindet sich Eva Maria Michelmann seit ihrer Entführung vor über drei Monaten in Isolationshaft. Ihr Bruder Antonius Michelmann spricht von gravierenden Haftbedingungen und möglichen gesundheitlichen Folgen. „Diese Isolation ist eine Form von Folter“, erklärte er. Es sei davon auszugehen, dass ihr Gesundheitszustand stark angeschlagen sei.

Forderung nach Zugang und Freilassung

Die Familie fordert umgehend Zugang zu unabhängiger medizinischer Versorgung, rechtlichem Beistand sowie zu Angehörigen. Zugleich verlangt sie die sofortige Freilassung der beiden Journalist:innen.

Kritik an politischem Umgang

Antonius Michelmann äußerte zudem scharfe Kritik am Umgang mit dem Fall: „Wir fühlen umso mehr Wut und Empörung, wie es sein kann, dass die deutsche Regierung mit so einem Regime zusammenarbeitet, das eine deutsche Journalistin verschleppt und unter Missachtung aller völkerrechtlichen Verpflichtungen und Menschenrechte und in der Öffentlichkeit diese Tatsachen leugnet.“ Zugleich zeigte er sich erleichtert über die nun bestätigte Information zum Aufenthaltsort seiner Schwester und betonte die Solidarität mit anderen Betroffenen. Die Bundesregierung müsse ihren politischen Einfluss nutzen, „um die Freilassung von Eva, Ahmed und aller anderen Verschleppten zu erwirken“.

https://deutsch.anf-news.com/aktuelles/in-nordsyrien-verschleppte-journalistin-nach-damaskus-verlegt-51293